Wissenschaftliche Hausarbeiten

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Gerade frisch eingeschrieben? Oder schon ein bisschen länger an der Uni? Egal ob Ersti oder älteres Semester: Hier finden Sie Schritt für Schritt Anleitungen für Ihre Hausarbeiten, von der Themenstellung über das Verstehen und Exzerpieren von Texten bis zur Seitengestaltung.

Die wissenschaftliche Hausarbeit

Das Vorgehen beim Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit teilt Otto Kruse in drei Bereiche ein:

  1. sich mit einem wissenschaftlichen Gegenstand oder Thema vertraut machen,
  2. die gefundenen Erkenntnisse entsprechend der Aufgabenstellung strukturieren,
  3. und sie dann versprachlichen und in eine akzeptable Form bringen.

Entsprechend dieses Dreischritts lassen sich auch die „Werkzeuge“ grob klassifizieren: Es gibt Werkzeuge zum Orientieren und zum Auffinden von Informationen, Werkzeuge zum Verstehen und Strukturieren von Ideen und Werkzeuge zum Versprachlichen und zur Sprachgestaltung.

 

Im folgenden finden Sie Ausschnitte aus Otto Kruses Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium [1], den uns Herr Kruse freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat und der auch als kompletter Text in unserer Bibliothek zur Verfügung steht.

Orientieren und Informationen finden

Schritt 1: Themenstellung präzisieren

Die Arbeit an der Hausarbeit beginnt mit der Übernahme eines Themas. Ihre erste Aufgabe besteht darin, das Thema zu verstehen, zu präzisieren und einzugrenzen. Sie müssen Antworten auf folgende drei Fragen finden:

1. Was ist der Gegenstand meiner Hausarbeit? „Gegenstand“ kann z.B. ein materielles Objekt, eine Theorie, ein Text oder ein Problem sein.

2. Mit welcher Fragestellung soll ich an meinen Gegenstand herangehen? Soll ich einen Sachverhalt darstellen, problematisieren, erkunden oder analysieren?

3. Welches Material (wissenschaftliche Texte oder Quellen) soll der Bearbeitung zugrunde liegen?

Schritt 2: Überblick verschaffen

Neue Stadtbibliothek Stuttgart; Bild: Henriette Carle/LMZ, Lizenz: CC BY-SA

Der zweite Schritt einer wissenschaftlichen Hausarbeit besteht darin, sich ein Bild vom Gegenstand zu machen, über den man schreibt. Das schließt ein, dass man die angegebenen Texte liest, aber damit ist es meist nicht getan. Gerade wenn ein Thema sehr eng eingegrenzt ist, ist es nötig, ein Minimum an Information über den Forschungskontext zu erhalten, in dem es behandelt wurde. Das kann sich auf wissenschaftshistorische Aspekte, auf Theorien, Personen, empirische Zugänge und Anwendungsfelder beziehen. In der Regel dient die Lehrveranstaltung, in der Sie Ihre Hausarbeit schreiben, genau diesem Zweck. Es ist jedoch ratsam, auch selbst zu recherchieren, um ein Stück Unabhängigkeit in Ihren Erkenntnisbemühungen zu gewinnen. Um einen Überblick zu erhalten, können Sie folgende Quellen in Anspruch nehmen:

  • Konversationslexikon
  • Fachlexikon
  • Schlagwortkatalog der Bibliothek
  • Suche in den Regalen
  • (Computergestützte) Bibliografische Suchsysteme

Sich einen Überblick zu verschaffen, erreicht man nicht damit, dass man alle Literatur, die man finden, in Gänze liest, sondern indem man sie sichtet. Nur mit solchen Texten sollte man sich eingehender beschäftigen, die auch tatsächlich Überblickswissen vermitteln. Dazu gehören Handbuchartikel, Überblicksdarstellungen, Klappentexte von Büchern und Zusammenfassungen aus Literatursuchsystemen.

Schritt 3: Begriffe klären

Haben Sie Ihr Thema nach außen etwas eingeordnet, können Sie daran gehen, sich ein Verständnis der wichtigsten Textinhalte zu erarbeiten. „Verstehen“ ist, das sollten Sie berücksichtigen, ein vielschichtiger Prozess. Textverständnis beginnt auf der begrifflichen Ebene. Solange zentrale Begriffe nicht klar sind, ist auch ein Verständnis von komplexeren Texteinheiten nicht möglich. Das Verständnis der zentralen Begriffe ist eine Hilfe, die inneren Textstrukturen zu entschlüsseln. Von dieser Basis aus lassen sich weitere Sinndimensionen erschließen.

 

Begriffe zu erschließen erfordert wissenschaftliches Handwerkszeug. Wichtigstes Werkzeug sind wiederum Wörterbücher und Lexika. Die Hilfen, die sie bieten, sind folgende:

  • Fachwörterbücher
  • Fremdwörterbuch
  • Herkunftswörterbuch (auch: etymologisches Wörterbuch)
  • Fremdsprachenwörterbücher
  • Rechtschreibwörterbuch
  • Synonymwörterbuch

Verstehen und Strukturieren von Ideen

Schritt 4: Texte verstehen

  • Es gibt Texte, die ein Thema auf einer logisch-begrifflichen Ebene entwickeln. In ihnen kommt es darauf an, herauszuarbeiten, wie Begriffe verwendet, wie mit ihnen Behauptungen über einen Gegenstand getroffen und wie sie mit anderen Behauptungen in Beziehung gesetzt werden.
  • Es gibt Texte, die sachzentriert sind und empirische Ergebnisse über ein bestimmtes Thema darstellen. In ihnen geht es darum, zu einem Verständnis davon zu kommen, wie die AutorInnen ihren Gegenstand verstehen und wie sie ihre Sicht durch die Verwendung von empirischen Forschungsergebnissen begründen.
  • Es gibt Texte, die argumentativ sind. Sie wollen von einer bestimmten Meinung überzeugen. Sie zu verstehen heißt, die wichtigsten Argumente herauszuarbeiten und ihre Begründungen zu analysieren.
  • Es gibt Texte, die als Forschungsberichte zu verstehen sind. Sie dokumentieren eine bestimmte Vorgehensweise. Sie zu verstehen, heißt nachzuvollziehen, was die AutorInnen getan, welche Resultate sie dabei erzielt und wie sie diese interpretiert haben.

In jedem dieser Fälle müssen Sie unterschiedliche Wege einschlagen, um zu einem Textverständnis zu kommen. Die meisten Texte allerdings tun Mehreres gleichzeitig: Sie definieren z.B. ihre Begriffe, stellen Forschungsergebnisse dar und versuchen nebenbei, theoretische Positionen abzustecken. In diesen Fällen müssen Sie entsprechend flexibel lesen.

Schritt 5: Exzerpieren und Paraphrasieren

Der Begriff Exzerpieren kommt aus dem Lateinischen (ursprüngl. „herausgreifen“) und bedeutet so viel wie einen Auszug aus einem Text zu machen. Während das Lesen, das dazu dient, eine Übersicht zu erhalten, auch ohne Mitschrift erfolgen kann, muss das Lesen der Kerntexte unbedingt mit schriftlichen Aufzeichnungen verbunden sein. Und diese schriftlichen Aufzeichnungen sollten von Anfang an in einer Form gehalten sein, die ihre Verwendung in einem eigenen Text erlaubt.

 

Wenn man beginnt, systematisch zu exzerpieren, ist es wichtig, sich noch einmal auf die Themeneingrenzung zu besinnen. Daraus leitet sich ab, auf welche Fragen die gelesenen Texte Antwort geben sollen und welche Textpassagen man systematisch exzerpieren muss.

 

Beim Exzerpieren von wissenschaftlicher Literatur ist darauf zu achten, dass Sie die übernommenen Passagen paraphrasieren, d.h. sie in eigenen Worten wiedergeben und gleichzeitig auf die fremde Autorschaft hinzuweisen.

 

Nach Meinung der Autorin ist ...

Die Autoren vertreten die Position, dass ...

Der Autor hält ... für ein Grundproblem, dass ...

Die Autorin interpretiert die bisherige Forschung dahingehend, dass ...

Wenn ich die Autoren richtig verstehe, vertreten sie eine Position, die ...

 

Wissenschaftlichkeit ist eng damit verbunden, die Urheberschaft fremder Ideen und Forschungsbeiträge zu respektieren, und Paraphrasieren ist die wissenschaftsübliche Form, mit fremden Gedanken umzugehen.

Schritt 6: Kernaussagen sammeln und strukturieren

Alle exzerpierten Textelemente, die für die eigene Arbeit nützlich sein könnten, sowie eigene Gedanken, Statistiken und Zitate gilt es zu sammeln. Am besten versieht man sie mit einer Überschrift oder einem Stichwort, so dass sie für eine spätere Verwendung gut erkennbar bereit liegen. Dies geschieht am besten auf einer Karteikarte oder in einem Computerprogramm, das Textelemente zu speichern und zu sortieren erlaubt.

 

Ist das Material gelesen und ausgewertet, dann ist es Zeit, es zu ordnen, d.h. verschiedene Aspekte des Themas zu unterscheiden, um zu einer Gliederung zu gelangen. Das beste Verfahren, dies zu tun, ist die „Mind Map“. Diese ist ein grafisches Ordnungs- und Strukturierungsverfahren, das es erlaubt, viele Informationen zu gruppieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Es wird um ein Kernwort oder ein Thema herum aufgebaut. Die wichtigsten Gesichtspunkte, unter denen sich das Thema betrachten lässt, werden als „Äste“ direkt an das Kernwort angefügt. An die Hauptäste lassen sich wiederum Zweige anbringen, die untergeordnete Gesichtspunkte repräsentieren, und diese können sich weiter verzweigen. Oft sind mehrere Versuche nötig, bis alles Material in einer Mind Map untergebracht ist.

 

Material zu strukturieren heißt, unterschiedliche Ordnungsgesichtspunkte auszuprobieren und zu sehen, ob sich das Material durch sie gut aufteilen und zuordnen lässt. Voraussetzung für sinnvolles Ordnen ist, dass Sie das, was Sie ordnen wollen, d.h. einzelne Ideen, Argumente, Fakten, Forschungsergebnisse usw., gut vorbereitet haben.

Schritt 7: Referat halten

Viele Hausarbeitsthemen müssen im Seminar mündlich vorgetragen werden. Das erfordert in der Bearbeitung des Themas einen Zwischenschritt, der sich gut als Vorarbeit für die eigentliche Schriftfassung eignet.

 

Für die Referatvorlage brauchen Sie eine andere Systematik bzw. Gliederung. Die wichtigsten Gesichtspunkte für diese Gliederung liegen in den Fragen: „Was muss ich meinen ZuhörerInnen vermitteln, damit sie mein Thema verstehen?“ Und: „In welcher Reihenfolge muss ich dies tun?“ Anders als bei einem schriftlichen Text können Sie ZuhörerInnen nur relativ kurze Textpassagen zumuten, wenn Sie ihre Aufmerksamkeit erhalten wollen. In ein Referat können etwa folgende Punkte aufgenommen werden:

  • Thema oder Fragestellung,
  • theoretischer oder sachlicher Zusammenhang, in dem das Thema steht
  • Bezug zum Thema des Seminars
  • Ziel des Referats, grobe Gliederung, Überblick
  • Schwierigkeiten bei der Erarbeitung des Themas
  • Präzisierung des Gegenstandes, Definition, evtl. konkretes Beispiel
  • Darstellung zentraler Thesen
  • Illustration wichtiger Passagen durch Beispiele
  • Formulierung offener Fragen und Diskussionsanregungen

Es ist nicht nötig, dass Sie für Ihr Referat alle diese Punkte schriftlich formuliert haben. Jeder Vortrag wird lebendiger, wenn einzelne Passagen erzählt werden, und Sie verlieren dann nicht so leicht den Bezug zum Publikum. Dort allerdings, wo Sie präzise sein wollen und müssen, sollten Sie eine schriftliche Vorlage haben.

Informationen versprachlichen und Text gestalten

Schritt 8: Rohfassung schreiben

Skriptorium in der neuen Stadtbibliothek Stuttgart; Bild: Henriette Carle/LMZ, Lizenz: CC BY-SA

Wenn Sie eine Gliederung, und sei es auch nur eine vorläufige, hergestellt haben, können Sie beginnen, Ihren Text zu schreiben. Sie können dabei, wenn Sie als Textmuster eine analytische Sachdarstellung gewählt haben, eine Art Erzählhaltung einnehmen. Das heißt, Sie erläutern einem fachwissenschaftlich interessierten (nicht zu hoch spezialisierten) Publikum ihren Gegenstand und belegen Ihre Äußerungen mit wissenschaftlichem Material. Während wissenschaftliche Texte im Allgemeinen an die Fachwelt adressiert sind, sollten Sie Hausarbeiten eher an Studierende als Adressaten richten, sonst werden Sie zu abstrakt und zu wenig explizit. Sie würden dann dazu tendieren, einen hoch spezialisierten Diskurs mit Experten zu beginnen, zu dem Ihnen vorläufig noch die Wissensbasis und die rhetorischen Mittel fehlen.

 

Orientieren Sie sich also an der Frage: Was müssen meine KommilitonInnen wissen, damit sie mein Thema verstehen können? Diese Orientierung hilft Ihnen, das Komplexitätsniveau Ihres Textes richtig anzusetzen. Stellen Sie dann dar, was Sie bei der Lektüre alles in Erfahrung gebracht haben. Berichten Sie also von den Erlebnissen mit Texten, AutorInnen, Begriffen, Forschungsergebnissen, theoretischen Zusammenhängen und Erkenntnissen über Ihren Erkenntnisgegenstand. Diese Erzählhaltung hilft Ihnen dabei, als denkendes Subjekt in Ihrem eigenen Text existent zu bleiben.

 

In allen wissenschaftlichen Arbeiten besteht eine Spannung zwischen dem eigenen Beitrag, den man leisten möchte, und den vorhandenen Erkenntnissen, die bereits veröffentlicht sind. Beide müssen gut aufeinander bezogen sein. Sie zu integrieren ist ein Vorgang, der einiges an Übung erfordert. Man muss sowohl dem Stand der Forschung gerecht werden, als auch den eigenen Überzeugungen und Intentionen.

 

Wichtig für Ihre erste Hausarbeit ist, dass Sie den Rohtext schnell und ohne große Skrupel aufs Papier bringen. Er muss sprachlich nicht perfekt sein. Lassen Sie sich nicht auf einen großen Kampf mit der Sprache ein, sondern konzentrieren Sie sich darauf, Ihren Adressaten das Thema in einfachen Worten nahezubringen, und arbeiten Sie dabei die Mind Map ab. Nach der Fertigstellung des Rohtextes kommt ohnehin noch eine Phase der Überarbeitung, in der Sie sich mit den einzelnen Formulierungen beschäftigen müssen.

Schritt 9: Umgang mit Zitaten, Belegen und Verweisen

Zitieren bezeichnet das sinngemäße oder wörtliche Anführen fremder Behauptungen, Ideen oder Forschungsergebnisse. Es gibt direkte Zitate, die wörtlich übernommen und in Anführungszeichen gesetzt werden und indirekte Zitate, die paraphrasiert (d.h. in eigene Worte gefasst) werden, aber Erkenntnisse oder Meinungen anderer unverfälscht wiedergeben. Zitate müssen mitnichten die eigene Meinung darstellen. Sie können auch Gegenmeinungen, mögliche Meinungen usw. repräsentieren.

 

Belegen bezeichnet das Anführen von Forschungsergebnissen oder Quellen, die eigene Behauptungen stützen können. Alle nichttrivialen Kernaussagen, die man in wissenschaftlichen Texten trifft, sollten belegt werden. Davon abgehen kann man dann, wenn man gängige Meinungen referiert, über die längst ein Konsens herrscht, oder wenn man aus eigener Expertise spricht. Jedes Fach und jeder Diskurs besitzt eigene rhetorische Muster des Belegens. Man kann Aussagen dadurch belegen, dass man empirisches Material oder den Inhalt einer Quelle anführt, die sie stützt. Zum Belegen sollte man nur Primärliteratur verwenden, also originäre Forschungsberichte. Dies lässt sich in der ersten Hausarbeit nicht einhalten, da man viele Angaben aus zweiter Hand übernehmen muss, man sollte aber die Regel kennen.

 

Verweisen bezeichnet den Hinweis auf Schriften, in denen ähnliche Aussagen zu finden sind. Behauptungen, die nicht belegt werden können oder die zu kompliziert sind, als dass man sie kurz belegen könnte, werden oft durch einen Verweis auf andere AutorInnen gestützt . Verweise beziehen sich oft auf Sekundärliteratur, in denen eine differenzierte Auseinandersetzung mit primären Forschungsergebnissen stattfindet. Verweise werden durch Ausdrücke wie „siehe“ oder „vgl.“ bei den entsprechenden Literaturangaben deutlich gemacht. Verweise ähneln oft indirekten Zitaten.

Schritt 10: Eigene Meinung formulieren

Es ist immer etwas Augenmaß nötig, um herauszufinden, wie viel eigene Meinung in einer Hausarbeit verlangt wird. Sicher ist allerdings, dass Hausarbeiten speziell dem Zweck dienen, sich in der schwierigen Kunst zu üben, wissenschaftliches Material unter einer bestimmten Fragestellung korrekt aufzugreifen und mit der eigenen Meinung in Beziehung zu setzen. Die eigene Meinung kann sich auf sehr unterschiedliche Aspekte des Themas beziehen. Versuchen Sie, folgende Fragen zu beantworten:

 

  • Wie hätten Sie den Sachverhalt mit Ihrem Vor- oder Alltagswissen erklärt?
  • Welchen Erkenntnisgewinn oder -verlust bringt die wissenschaftliche Betrachtungsweise?
  • Ist der dargestellte wissenschaftliche Standpunkt plausibel? Welche Zweifel haben Sie?
  • Sind die Kernaussagen der dargestellten Theorien oder Positionen in sich stimmig? Wo ergeben sich Widersprüche?
  • Wie ist ein Sachverhalt moralisch zu bewerten? Welche ethischen Bedenken haben Sie?
  • Welche Einseitigkeiten, Lücken, Mängel haben Sie in der Forschung zu Ihrem Thema entdeckt?
  • Ist eine Methode oder eine Verfahrensweise wirksam, begründet, akzeptabel?

Schritt 11: Text Überarbeiten

Das Überarbeiten dient zunächst dazu, den roten Faden der Arbeit zu überprüfen. Sind die einzelnen Darstellungselemente folgerichtig aufeinander bezogen? Ist der Text verständlich? Gibt es überflüssige Teile darin? Ist die Gliederung stimmig? Ist die Einteilung in Abschnitte der Gedankenführung angemessen?

 

Als zweites ist der Text auf seine sprachliche Angemessenheit zu prüfen. Komplizierte oder schwer verständliche Passagen sind zu vereinfachen, Wiederholungen zu eliminieren. Alle Ausdrücke sind zu überprüfen. Wer wissenschaftliche Texte schreibt, ist meist so sehr mit inhaltlichen Aspekten beschäftigt, dass er oder sie die sprachliche Angemessenheit aus dem Auge verliert. Deshalb braucht man einen Überarbeitungsdurchgang, der sich ausschließlich auf die Formulierungen bezieht.

Schritt 12: Literaturverzeichnis anlegen

Alle Literatur, die in einer Arbeit erwähnt wird, muss im Literaturverzeichnis aufgeführt werden, auch dann, wenn die Literatur bereits in Fußnoten angegeben ist (dort ist sie nicht gut auffindbar, weil nicht alphabetisch geordnet), oder wenn sie aus einer fremden Schrift übernommen ist (Zitatübernahme). Alles, was aus wissenschaftlichen Quellen stammt, gehört in das Literaturverzeichnis. Im Literaturverzeichnis sollte aber auch nur das aufgeführt sein, was im Text zur Stützung von Aussagen herangezogen wurde. Es ist kein Verzeichnis der verwendeten, sondern nur der im Text erwähnten Literatur. Wenn es wichtige Literatur gibt, die Sie unberücksichtigt gelassen haben, müssen Sie sie in der Arbeit selbst anführen, dann kann sie ins Literaturverzeichnis aufgenommen werden. Das Literaturverzeichnis steht am Ende des Textes, jedoch vor einem Anhang.

Schritt 13: Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Seitengestaltung

Deckblatt: Es sollte Informationen über Titel, AutorIn, Semesterzahl der AutorIn, Seminar, SeminarleiterIn, Datum, Hochschule, Institut, Studiengang, evtl. Haupt- oder Nebenfachstudium, Art des Abschlusses (Bachelor, Master, Staatsexamen) und Matrikelnummer enthalten. Das Arrangement des Deckblatts selbst bleibt Ihrer gestalterischen Kreativität überlassen.

 

Seitengestaltung: Für die Seitengestaltung empfiehlt Theisen (1993, S. 159) folgende Randgestaltung: Vom linken Rand ca. 4 bis 4,5 cm, vom rechten Rand 2 cm, vom oberen Rand 4 cm und vom unteren Rand 2 cm Abstand. Der Zeilenabstand ist meisten 1,5-zeilig, um die Textseiten nicht zu dicht werden zu lassen. Wem dies zu viel Papiervergeudung ist, der sollte bei einzeiligem Abstand bleiben. Hausarbeiten sind mit Seitenzahlen zu versehen. Die Paginierung (Seitenzählung) beginnt mit der ersten Textseite.

 

Inhaltsverzeichnis: Es ist unumgänglich, dem Text eine Gliederung mit Seitenangaben voranzustellen, selbst wenn sie nur drei Punkte umfasst. Erwartet werden in der Regel numerische Gliederungsschemata.

 

Einleitung: Dem Text kann eine Einleitung voranstehen, die in das Thema einführt und das Vorgehen skizziert. In ihr sollte dargestellt sein, was für ein Thema behandelt wird, wie Sie an das Thema herangegangen sind, welches Material Sie verwenden und ggf. welche Probleme Sie bei seiner Erarbeitung hatten.

 

Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis ist alphabetisch geordnet und steht am Ende der Arbeit. Sind mehrere Arbeiten der gleichen Autorin oder des gleichen Autors aufgeführt, so werden sie nach Erscheinungsjahr geordnet. Bei gleichem Autor und gleicher Jahreszahl werden die Arbeiten mit Kleinbuchstaben a, b, c unterscheidbar gemacht.

 

Quellenverzeichnis: Neben dem Literaturverzeichnis ist ein spezielles Quellenverzeichnis anzulegen, wenn nicht wissenschaftliche Materialien in größerem Umfang verwendet wurden. Es enthält Übersichten über wichtige Quellen, z.B. ein Verzeichnis von Kunstwerken, Fotografien oder Dokumenten.

 

Anhang: Materialien, die für Vorgehensweise oder Textverständnis nötig, aber für den Text selbst zu umfangreich sind, können im Anhang untergebracht werden. Dazu zählen wichtige Quellen, Auswertungsrichtlinien, Computerprogramme, Musterbeispiele, Interviewleitfäden.

Neue Stadtbibliothek Stuttgart; Bild: Henriette Carle/LMZ, Lizenz: CC BY-SA

Quellen

[1] Otto Kruse: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Kapitel 5. Frankfurt/Main, 9. Auflage 2002, S. 86–128. [zurück]