Recherchieren mit der Wikipedia

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Was ist die Wikipedia?

Früher war es einfach: Wer zu einem bestimmten Schlagwort Informationen suchte, der hat im Lexikon nachgeschaut, etwa im Brockhaus, im Meyer oder in Fischers Taschenlexikon. Heute steht in fast keinem Haushalt mehr ein gedrucktes Lexikon – schließlich gibt es ja das Internet. Ähnlich wie Google bei den Suchmaschinen dominiert dort auch ein einziger Anbieter: Wikipedia. Wie seriös ist dieses Online-Lexikon und was genau steckt dahinter?

 

Wikipedia ist anders, denn Wikipedia ist kein Unternehmen, sondern wird rein ehrenamtlich betrieben. Die Seite ist die weltweit am sechsthäufigste besuchte Website. Mit 1,3 Millionen Artikeln ist die deutsche Wikipedia die zweitgrößte nach der englischen, die über 3,9 Millionen Artikel enthält. Zum Vergleich: Der Brockhaus, die größte deutschsprachige Enzypklopädie, umfasst 300 000 Einträge. Wikipedia gibt es seit Anfang 2001. Es gibt inzwischen 270 Sprachausgaben, in 109 Sprachen sind jeweils mehr als 10 000 Artikel online.

 

Die Website Wikipedia ist jedermann zugänglich. Jeder darf sie lesen, und vor allem: Jeder darf mitschreiben. Die Inhalte stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz, sie dürfen also frei verwendet werden. Sie ist wirtschaftlich unabhängig, werbefrei und basiert auf Ehrenamtlichkeit. (Die rund 20 Millionen Dollar, die Wikipedia pro Jahr benötigt, werden über Spenden generiert und für technische Dienstleistungen, Softwareentwicklung, Rechtsberatung und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben, kurz gesagt: für die Infrastruktur und nicht für die Autoren.)

Die inhaltlichen Grundprinzipien sind:

  • Neutraler Standpunkt: Die Artikel dürfen keine subjektive Meinung vertreten.
  • Keine Theoriefindung: Wikipedia ist kein Diskussionsforum für neue Fakten, die es noch zu erforschen gilt, sondern eine Plattform für belegte Fakten.
  • Belege: Alle Angaben in Wikipedia müssen belegbar sein. Dies geschieht mit Quellenangaben. Nicht jeder Fakt ist dabei wirklich belegt, aber jeder muss theoretisch belegbar sein.

Der Vorteil eines Online-Lexikons liegt neben der theoretisch unbegrenzten Anzahl der Artikel auch darin, dass auch die Länge der Artikel nicht begrenzt ist. Insbesondere aber ist sie aktueller als ein gedrucktes Lexikon.

Richtig zitieren

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(Fast) jede Art von Kulturleistung basiert auf dem, was die Menschen vor einem geschaffen haben. Isaac Newton wird zitiert mit der Äußerung: „Wenn ich weiter geblickt habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stehe.“ Gerade wissenschaftlicher Fortschritt wäre nicht möglich, wenn man nicht auf dem aufbauen könnte, was andere vorher geforscht haben. Deshalb ist es in wissenschaftlichen Arbeiten (Bachelorarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen) üblich, aus den Werken anderer Wissenschaftler zu zitieren. Es ist nicht nur üblich, sondern geradezu erwünscht – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass man es richtig macht. Das gilt auch für das Zitieren aus der Online-Enzyklopädie.

Im Grunde gibt es für ein Zitat drei Grundregeln:

  • Die Textstelle, die zitiert wurde, muss kenntlich gemacht werden. Meist geschieht das durch Anführungszeichen.
  • Der Text muss wortwörtlich übernommen werden. Auslassungen müssen kenntlich gemacht werden.
  • Die Quelle muss genannt werden.

Die Nennung der Quelle war bereits in Printzeiten nicht immer einfach. Üblicherweise wurde der Autor genannt, der Titel der Publikation, das Jahr der Veröffentlichung und eine Angabe zum Verlag, also entweder der Verlag selbst oder der Ort. Im Detail unterschied sich die Zitierweise aber dann noch von Institution zu Institution.

 

Aus dem Internet wird anders zitiert. Hier ist nicht nur die Quelle anzugeben (also der Name des Autors und die Internetseite), sondern auch das Datum, an dem zitiert wurde, denn im Internet kann eine Seite schnell verändert werden. Der Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Zitat“ müsste folgende Quellenangabe besitzen:

Seite „Zitat“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 20. August 2014, 09:34 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Zitat&oldid=133268209 (Abgerufen: 20. August 2014, 13:03 UTC)

 

Glücklicherweise bekommt man diese lange Quellenangabe komplett geliefert, wenn man in Wikipedia auf „Seite zitieren“ klickt (unter Werkzeuge in der linken Spalte). Mehr zum Thema finden Sie in unserem Artikel Die Kunst des Zitierens.

Kritik an der Wikipedia

Die Kritik an Wikipedia, die insbesondere in den Anfangstagen oft geäußert wurde, zielt auf das fehlende Redaktionsteam. Wer überprüft die Artikel, wenn es keine (ausgebildeten und professionellen) Redakteure gibt? Wer bürgt für die Richtigkeit? Tatsächlich gibt es sehr wohl Autoren und Redakteure, nur ist ihre Arbeit anders strukturiert als in herkömmlichen Lexikonverlagen. Im Lauf der Jahre hat sich eine Kerngruppe von engagierten Autorinnen und Autoren gebildet, die dezentral und nach eigener zeitlicher Disposition arbeiten und sehr genau überwachen, wer was in Wikipedia schreibt. Sie haben rein faktisch die Funktion von Redakteuren. Zudem beobachten rund 7 000 Autoren ihre eigenen Artikel, um zu schauen, wer etwas verändert.

 

Für die Nutzer gibt es die Möglichkeit, über die „Versionsgeschichte“ genau zu erkennen, wer wann was geändert hat. Bei jedem einzelnen Artikel lässt sich nachlesen, welcher Autor was geschrieben hat. Logischerweise werden neue Autoren (oder gar anonyme, nicht registrierte Schreiber) sehr viel genauer geprüft als „alte Hasen“.

 

Dieses transparente Kontrollverfahren verhindert, dass Unsinniges in Wikipedia veröffentlicht wird. Und tatsächlich steht keinerlei Spam auf den Seiten, und auch falsche Angaben wird man sehr selten finden. Nur eines unterscheidet Wikipedia-Redakteure und Autoren tatsächlich von professionellen: Sie arbeiten allesamt ehrenamtlich, aus Idealismus und aus Überzeugung, dass Wikipedia eine sinnvolle Sache ist. (Und nicht zuletzt natürlich auch für die Anerkennung, die sie von der „Community“ erhalten.) Übrigens sind rund 90 Prozent der deutschen Wikipedia-Artikel von Männern geschrieben.

Links

Die Politik des Suchens

Ausführliches Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) mit vielen Artikeln zum Thema Suchmaschinen.

 

Handbuch zur Recherche (2006, PDF)

Das Handbuch enthält Tipps und Tricks zur Informationssuche in konventionellen Informationsmitteln und im Internet (Kooperationsprojekt der Käthe-Kollwitz-Schule und der Fachhochschule Hannover).

 

Suchen + finden was gut ist! – Recherchieren lernen mit dem Internet (PDF)

Für Grundschüler zeigt die Broschüre, welche Seiten als Lexika geeignet sind, auf welchen man gut suchen kann und wie man Suchmaschinen bedient.

Pädagogische Praxis

Digitale Selbstverteidigung: Die Online-Welt verstehen

Das Online-Magazin Der Kontext hat eine interaktive Informationskarte erstellt, auf der sich alles um Sicherheit im Netz dreht. Kurz und knapp bietet die Redaktion Informationen für Jugendliche, durch weiterführende Links aber auch für Erwachsene. weiterlesen

Unterrichtsidee: Fake News

Deutsch/Gemeinschaftskunde, Klasse 8–10, Sek I: Fakenews verbreiten sich heute über die Sozialen Medien und sind manchmal schwer von echten Nachrichten zu unterscheiden. Wie können wir solche Falschmeldungen entlarven?weiterlesen

Unterrichtsmodul: Hatespeech – Fake oder Fakt?

Gemeinschaftskunde, Klasse 7–9, Sek I: Die Verbreitung von Falschmeldungen nimmt im Internet immer mehr zu. Es wird gelogen, diffamiert und gefälscht. Dabei sind „alternative Fakten“ häufig gegen Flüchtlinge gerichtet.weiterlesen

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