Methodensammlung Film

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Häufig werden Filme im Unterricht nur angeschaut und mit einem allgemeinen Gespräch im Klassenverband abgeschlossen. In der Filmbildung gibt es aber wesentlich mehr Möglichkeiten, das Thema Film im Unterricht einzusetzen. Hierzu haben wir einige methodische Vorschläge zusammengestellt, die sich in der Regel für eine relativ hohe Anzahl von Filmen realisieren lassen.

Sukzessives Sehen

Meist ist es nicht möglich, einen Film im Rahmen einer Stunde/Doppelstunde vollständig anzuschauen. Dieser mitunter ärgerliche Umstand kann jedoch in einen Vorteil umgewandelt werden, wenn der Film an bestimmten Stellen bewusst abgebrochen wird. So kann zum Beispiel der Film bereits nach den ersten 10 Minuten gestoppt und bei den Schülerinnen und Schülern abgefragt werden, welche Informationen sie bereits erhalten haben („filmische Exposition“). Auch in kritischen Entscheidungssituationen kann der Film angehalten und mit den Schülerinnen und Schülern darüber spekuliert werden, wie sich die Figur verhalten wird; dies kann – neben dem klassischen Unterrichtsgespräch – auch in einem szenischen Spiel erfolgen.

Genre

Bei dieser Methode berichten die Schülerinnen und Schüler von ihrem Lieblingsfilm. Anschließend können diese Filme einzelnen Genres zugeordnet werden, die in der Filmtheorie unterschieden werden (Drama, Action, Fantasy, Komödie, Horror, Science Fiction, Liebesfilm, Thriller). Interessant ist häufig auch eine Diskussion, ob Lieblingsfilme den/die jeweilige/-n Zuschauer/in charakterisieren und ob Mädchen andere Filme bevorzugen als Jungs.

Storyboard

Gerade bei Literaturverfilmungen lohnt es sich, kurze Textpassagen in ein Storyboard umzuwandeln und die Schülerlösungen mit der Literaturverfilmung zu vergleichen. Die Schülerergebnisse verbessern sich dabei signifikant, wenn die Einstellungsgrößen bereits eingeführt wurden (Totale, Halbtotale, Halbnahe, Detail).

Soundcheck

Die Ebene des Tons stellt ein wichtiges Element der Filmtheorie dar, wird in der schulischen Betrachtung aber häufig vernachlässigt. Dabei ergeben sich gerade in diesem Bereich im Unterricht vielfältige Einsatzmöglichkeiten. So kann bereits die Filmmusik suggerieren, um welche Art von Film es sich handelt. Auch das Unterlegen einer Szene mit einer völlig gegensätzlichen Musik veranschaulicht nachdrücklich, wie sehr die Atmosphäre und Stimmung eines Films von der musikalischen Untermalung abhängt. Als Einstieg in eine Unterrichtsstunde, die die Filmmusik in den Vordergrund rückt, eignet sich besonders ein Filmmusikquiz.

Synchronisation

Besonders kurze Dialogszenen bieten sich an, nachsynchronisiert zu werden. Hierfür benötigen die Schülerinnen und Schüler ein gewisses Gespür für Timing und schauspielerisches Talent. Dialoge in englischer Sprache können auch ins Deutsche übersetzt und damit eine „neue“ Version der Szene erstellt werden. Die Schülerinnen und Schüler werden dabei auf das Problem stoßen, dass direkte Übersetzungen häufig nicht lippensynchron zum Original sind und damit leicht abgeändert werden müssen, ohne jedoch den Inhalt dabei zu verfälschen. Ebenfalls möglich ist in diesem Zusammenhang, den Schauspieler/-innen völlig neue Texte zu schreiben, um so den Dialog bezüglich Atmosphäre und Inhalt zu verändern. Einen einfachen, humoristischen Effekt kann man erzielen, wenn Mädchen die Jungenrollen sprechen und umgekehrt.

Marketing

Besonders kostenintensive Filme werden aufwändig beworben. Zum Bereich Werbung gehören nicht nur die Trailer, sondern auch das Filmplakat. Das Erstellen eines eigenen Filmplakats bietet dabei eine Möglichkeit, das Geschehen im Film auf ein Bild zu reduzieren. Hierbei bietet es sich an, ein Modell der Werbeplakaterstellung zunächst zu besprechen (etwa das AIDA-Modell). Die Schülerlösung kann dann mit dem richtigen Plakat abgeglichen werden. Auf der Rückseite von DVDs und Blu-rays befinden sich häufig Informationstexte, die in diesem Rahmen auch von Schülerinnen und Schülern verfasst werden können. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Texte Neugierde auf den Film wecken und nicht zu viel von der Handlung verraten.

Kritik

Nicht nur in Zeitungen, sondern auch in Onlineportalen findet man heute eine Vielzahl an Filmkritiken. Nach dem Schauen eines Filmes bietet es sich an, dass Schülerinnen und Schüler selbst eine Kritik verfassen. Hierfür sollte vorher geklärt werden, welche Informationen eine Kritik enthalten muss (Titel, Regisseur/-in, Drehbuchautor/-in, Hauptdarsteller/-in, zentrale Themen und begründetes Lob oder Kritik). Ähnlich wie bei den Informationstexten muss ein Teil der Handlung durch die Schülerinnen und Schüler skizziert werden, ohne zu viel von der Spannung herauszunehmen.

Besetzung

Besonders bei Literaturverfilmungen bietet es sich an, dass Schülerinnen und Schüler sich zunächst eine Besetzung des Films selbst ausdenken. Mit Hilfe des Internets können sie Schauspielerinnen und Schauspieler recherchieren und danach ihren „Cast“ eigenständig zusammenstellen. Diese Auswahl eignet sich später im Unterrichtsgespräch als Diskussionsgrundlage, ob die gewählten Schauspieler/-innen den literarischen Vorgaben entsprechen oder nicht.

Eingefrorenes Bild

An bestimmten Stellen des Films kann es sinnvoll sein, ein Standbild zu analysieren. Hierbei lassen sich die drei Bildebenen (Vordergrund, Hintergrund und Mitte) problemlos analysieren. So kann die gängige Vorstellung der Schülerinnen und Schüler, dass zentrale Ereignisse nur in der Bildmitte oder im Vordergrund passieren, relativiert werden.

Perspektive

Neben den Einstellungsgrößen ist auch die Kameraperspektive ein wichtiges Element der Filmtheorie. Hierbei wird unterschieden zwischen Froschperspektive, Untersicht, Normalsicht, Aufsicht und Vogelperspektive. Diese können dann anhand von Screenshots erläutert werden. Auch mit einer einfachen Digitalkamera können die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen Kameraperspektiven spielerisch ausprobieren. Nicht zuletzt lassen sich diese besonders gut in Dialogszenen einsetzen, etwa bei einem Gespräch zwischen Untergebenem (Vogelperspektive) und Vorgesetztem (Froschperspektive), um das Verhältnis der Figuren zueinander darzustellen.

Filmpraxis

Neben der Analyse und dem kreativen Bearbeiten eines bereits fertigen Films kann auch das Erstellen eines eigenen Videos Gegenstand des Unterrichts sein. Dies ist in der Regel aber wesentlich aufwändiger und bedarf einiger Voraussetzungen:

 

  1. Dank des stetigen technischen Fortschritts ist es relativ einfach, Filme zu erstellen, etwa über Digitalkameras, die sich bereits in fast jedem Haushalt befinden. In der Medienbildung hat sich in den letzten Jahren das Konzept Bring Your Own Device (BYOD) bewährt, Schülerinnen und Schüler nehmen dabei ihre eigenen elektronischen Geräte mit in die Schule. Hierbei reichen häufig schon vier bis fünf digitale Kameras, um ein Filmprojekt in der Klasse zu realisieren. An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Schülerinnen und Schüler darüber informiert sein sollten, dass die Schule für verlorene (und gestohlene) Gegenstände nicht haftet, sie also auf ihre mitgebrachten elektronischen Geräte gut aufpassen sollten (einige Schulen bieten in diesem Rahmen eine Schülerversicherung an).
  2.  
  3. Auch wenn es kein „Muss“ in der Filmbildung ist: Schülerfilme wirken wesentlich professioneller, wenn sie mit einem Schnittprogramm bearbeitet werden. Hierbei sind die jeweiligen Konkurrenzprodukte von Apple (iMovie) und Microsoft (WindowsMovieMaker) empfehlenswert, die zum jeweiligen Betriebssystem kostenlos erhältlich und sehr einfach zu bedienen sind. Schon mit dem Einfügen von Vorspann, Abspann und einigen Blenden wirken die Schülerergebnisse wesentlich hochwertiger und vermitteln ein „echtes“ Filmgefühl. Auch zur Vertonung bieten die einzelnen Programme einige Möglichkeiten, die Schülerinnen und Schüler sollten aber darauf aufmerksam gemacht werden, dass Musik, für die ein Copyright besteht, nicht in Filmen, die zur Veröffentlichung bestimmt sind, benutzt werden sollten.
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  5. Prinzipiell besteht die Möglichkeit, Schülerarbeiten über Streaming Portale online zu veröffentlichen. In diesem Bereich haben sich besonders YouTube und Vimeo etabliert, wobei es aber sinnvoll sein kann, die Kommentarfunktion für Videos zu deaktivieren. Sind die Schüler dabei selbst im Video zu sehen, muss hierfür auf jeden Fall zuerst die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten eingeholt werden.


Für den ersten kleinen Film haben sich folgende Projekte bewährt:

  • Visualisierung eines Gedichts
  • Visualisierung einer Kurzgeschichte
  • Umwandlung einer Theaterszene in eine Filmszene
  • Dokumentation von Schulveranstaltungen
  • Lehrerinterviews
  • Schülernachrichten
  • Fake-Trailer
  • Tutorials