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08.03.2018 | Stephanie Wössner

Der digitale Kompetenzrahmen für Europa

Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen (GeRS) des Europarats besteht seit 2001 und wird schon seit Jahren in den europäischen Schulen als Maßstab fürs Fremdsprachenlernen genutzt, an dem Lernziele und Kompetenzen gemessen und über Ländergrenzen hinweg verglichen werden können. Seit 2005 wurde basierend auf Studien  an einem ähnlichen europäischen Referenzrahmen für digitale Kompetenzen (DigComp) gearbeitet, der 2013 in seiner ersten Fassung erschien und 2017 in der Version 2.1 veröffentlicht wurde.

DigComp soll als Orientierungshilfe für die europäische Kommission und die Mitgliedsstaaten sowie ihre Bürger dienen, wenn es darum geht, digitale Technologien in der Ausbildung zu verankern, lebenslanges Lernen zu ermöglichen und die europäischen Bürger dabei zu unterstützen, mit der fortschreitenden Digitalisierung der Welt Schritt zu halten, um ein erfolgreiches Mitglied der Gesellschaft zu sein und zu bleiben. Unter anderem für Lehrkräfte gibt es eine adaptierte Version des digitalen Kompetenzrahmens, der ihnen zeigen soll, welche Kompetenzen sie benötigen, um die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler in eine möglichst erfolgreiche Zukunft als Mitgestalter der Welt von Morgen zu begleiten und sich selbst beruflich am Zahn der Zeit zu bewegen.

DigComp 2.1

Grafik: El Rubencio, Quelle: DigComp 2.1

Im aktuellen DigComp 2.1 gibt es fünf Kompetenzbereiche mit insgesamt 21 Kompetenzen, in denen jeweils acht verschiedene Kompetenzstufen erreicht werden können. Diese Kompetenzstufen bewegen sich von erlernbarem Basiswissen, welches unter Anleitung erworben wird, bis hin zu hochspeziellen kreativen Kompetenzen mit Eigeninitiative. Bildlich werden diese Kompetenzen als Anleitung dargestellt, wie man lernt, im digitalen Ozean zu schwimmen. 

Fünf große Kompetenzbereiche für europäische Bürger

1. Informations- und Medienkompetenz 

  • Browsen, Suchen, Filtern von Daten, Informationen und digitalen Inhalten
  • Daten, Informationen und digitale Inhalte bewerten
  • Organisieren von Daten, Informationen und digitalen Inhalten

2. Digitale Kommunikation und Kollaboration

  • Interaktion mit Hilfe von digitalen Technologien
  • Teilen mit Hilfe von digitalen Technologien
  • Teilhabe an der Gesellschaft mit Hilfe von digitalen Technologien
  • Zusammenarbeiten mit Hilfe von digitalen Technologien
  • Netiquette
  • Seine digitale Identität verwalten

3. Erstellung von digitalen Inhalten

  • Digitale Inhalte entwickeln
  • Fremde digitale Inhalte nutzen und bearbeiten
  • Copyright und freie Lizenzen
  • Programmieren

4. Sicherheit/Verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien

  • Geräte schützen
  • Persönliche Daten und Privatsphäre schützen
  • Gesundheit und Wohlergehen schützen
  • Umweltschutz

5. Digitales Problemlösen 

  • Technische Probleme lösen
  • Bedürfnisse identifizieren und technische Lösungen dafür finden
  • Digitale Technologien kreativ nutzen
  • Digitale Kompetenzunterschiede erkennen

Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass viele dieser Inhalte Teil der 4K-Lerntheorie der zeitgemäßen Bildung sind, bei der Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken/Urteilsvermögen zu den Schlüsselkompetenzen des 21. Jahrhunderts gehören. Und auch die Bausteine der Leitperspektive Medienbildung des Bildungsplans 2016 in Baden-Württemberg sehen äußerst ähnlich aus.  

Konkrete Beispiele

Exemplarisch seien die zwei Extreme des Kompetenzspektrums im Bereich der Arbeitssuche erklärt: Eine Person, die sich am ganz unteren Spektrum der digitalen Kompetenzen befindet, kann angeleitet durch eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter der Arbeitsagentur herausfinden, wo er oder sie geeignete Stellenanzeigen finden kann, beispielsweise welche App ihm oder ihr dabei hilft und wie diese genutzt wird. Handelt es sich jedoch um jemanden, der sich ganz am oberen Spektrum der digitalen Kompetenzen befindet, so ist dies eine Person, die Ideen hat, wie die Jobsuche für Menschen mit geringen digitalen Kompetenzen möglichst einfach zu gestalten ist und die zum Beispiel die Kompetenzen besitzt, die nötig sind um eine solche App zu programmieren. 

Weitere Beispiele für diese unterschiedlichen Kompetenzstufen können hier (ab S.19 ff.) nachgelesen werden.

Der digitale europäische Kompetenzrahmen für Lehrkräfte (DigCompEdu)

Der digitale europäische Kompetenzrahmen für Lehrkräfte soll dazu dienen, dass Lehrende ihren Kompetenzstand im digitalen Bereich ermitteln und so ihren persönlichen Weiterbildungsbedarf ermitteln können. Außerdem gibt er darüber Aufschluss, welche digitalen Kompetenzen an die Bürger von Morgen weitergegeben werden müssen. Die Einstufung in die einzelnen Kompetenzniveaus basiert hier offensichtlich auf den sechs Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeRS), die eine lineare Progression von A1 bis C2 vorsehen

 

  • Newcomer (A1)
  • Entdecker (A2)
  • Entwickler (B1)
  • Experten (B2)
  • Profis (C1)
  • Pioniere (C2)

Dass sich auch Lehrkräfte in einer immer digitaler werdenden Welt an die neuen Gegebenheiten anpassen müssen, sollte selbstverständlich sein. Doch handelt es sich bei den meisten der zu erwerbenden Kompetenzen nicht nur um eine neue Methodik, sondern auch das traditionelle Lehrerbild selbst wird dadurch durchaus in Frage gestellt. Dies stellt für nicht wenige Lehrkräfte einer erste Hürde dar, die es zu überwinden gilt. Erst wenn sie überwunden ist und Neugier auf das Neue und eine Bereitschaft, sich darauf einzulassen, vorhanden ist, kann der Lernprozess beginnen. Um dieses Stadium zu erreichen ist es zwingend notwendig, dass man sich der Tatsache bewusst wird, dass es um eine zeitgemäße Bildung für die nächste Generation und die Zukunft der Gesellschaft geht und man sich der Veränderung der Gesellschaft nicht verweigern kann. 

Die sechs Bereiche der digitalen Kompetenz für Lehrende

Der DigCompEdu-Kompetenzrahmen besteht aus sechs Kompetenzbereichen, die insgesamt 23 Einzelkompetenzen beinhalten. Diese sechs Kompetenzbereiche sind der beruflichen Kompetenz des Lehrenden, der pädagogischen Kompetenz des Lehrenden und den Kompetenzen der Lernenden zugeordnet. 

Grafik: Europäische Kommission, Quelle: DigCompEdu

Das berufliche Engagement sieht vor, dass über digitale Medien zu beruflichen Zwecken kommuniziert und zusammengearbeitet wird, die eigene digitale pädagogische Praxis reflektiert wird und dass man sich mit Hilfe von digitalen Angeboten weiterbildet. 

Die pädagogische Kompetenz der Lehrenden wird in vier große Teilbereiche aufgeteilt: 

  • Digitale Ressourcen (auswählen, erstellen, modifizieren, verwalten, schützen und verbreiten)
  • Lehren und Lernen (Unterricht, Anleitung, Gruppenarbeit, selbstgesteuertes Lernen mit digitalen Technologien)
  • Lernkontrolle (Strategien, Analyse, Feedback und Planung)
  • Lernerorientierung (Zugang und Inklusion, Differenzierung und Personalisierung, aktive Beteiligung der Lernenden)

Schließlich geht es noch um die Förderung der digitalen Kompetenz der Lernenden in den fünf großen Kompetenzbereichen, die der digitale Referenzrahmen DigComp definiert: Informations- und Medienkompetenz, Digitale Kommunikation und Zusammenarbeit, Erstellung digitale Inhalte, verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien und digitales Problemlösen. Spätestens bei dieser Schnittmenge zwischen DigComp und DigCompEdu wird klar, in wie fern es die Aufgabe der Bildung ist, digitale Kompetenzen bei Schülerinnen und Schülern zu fordern und zu fördern und dass auch Lehrkräfte selbstverständlich über diese Kompetenzen verfügen müssen, um sie dann in einem pädagogischen Setting vermitteln zu können.  

Hier geht es zu einer Zusammenfassung des DigCompEdu auf Deutsch. Das komplette Dokument auf Englisch befindet sich hier.

Lehrkräfte, Medienbildung

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