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04.05.2017 | Marco Herbst

Von Junglehrkräften und Schulrebellen: Zwei aktuelle Dokumentarfilme beschäftigen sich mit dem deutschen Schulsystem

Bild: Ausschnitt aus „Zwischen den Stühlen“, Lizenz: Weltkino

Die Dokumentarfilme „Zwischen den Stühlen“ von Jakob Schmidt und „Berlin Rebel High School“ von Alexander Kleider beschäftigen sich beide mit dem Schulalltag und kommen fast zeitgleich ins deutsche Kino. Inhaltlich könnten die beiden Filme aber kaum unterschiedlicher sein.

 

Jakob Schmidts Abschlussprojekt an der Filmhochschule Babelsberg, der Dokumentarfilm „Zwischen den Stühlen“, entstand als Koproduktion mit „ZDF – Das kleine Fernsehspiel“ und begleitet drei Referendare auf dem oft steinigen Weg zum „richtigen“ Lehrer. Neue Schule und neue Kollegen, erster Unterricht vor eigenen Klassen, Korrekturen und Unterrichtsvorbereitungen bis in die späten Abendstunden und natürlich die gefürchteten Lehrproben dominieren plötzlich das Leben der ehemaligen Lehramtsstudenten, die von der Ferne den Lehrerberuf noch als „relativ locker“ bewertet hatten.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre

Bild: Ausschnitt aus „Zwischen den Stühlen“, Lizenz: Weltkino

Die drei Protagonisten vollführen dabei einen beachtlichen und mitunter schwierigen Spagat, da sie ihre Schülerinnen und Schüler benoten müssen, aber selbst in der Lehrerausbildung bewertet werden. Der Titel „Zwischen den Stühlen“ ist somit äußerst passend gewählt. Bereits ausgebildeten Lehrern bietet der Film ein wohliges Gruseln, da man oft an die eigene Referendariatszeit zurückerinnert wird und sich freut, diese hinter sich gebracht zu haben. Lehramtsanwärtern, die sich noch in der Ausbildung befinden, spendet der Film Trost, da auch bei den drei Protagonisten im Film nicht immer alles auf Anhieb funktioniert. Spannend bleibt bis zum Schluss, ob alle drei Referendare auch die Lehrproben bestehen, was an dieser Stelle jedoch nicht verraten wird. Auch für die Seminare der Lehrerausbildung könnte der Film interessant sein, um mit den Referendaren über die Fallstricke, aber auch positiven Erlebnisse, im Laufe des Referendariats zu reflektieren. Auch lassen sich anhand einzelner Unterrichtssequenzen typische „Anfängerfehler“ zeigen, die man im späteren Berufsleben leicht vermeiden kann. Jakob Schmidts Film „Zwischen den Stühlen“, der am 18. Mai 2017 deutschlandweit in die Kinos kommt, ist somit ein lohnender Film für alle, die sich für die Lehrerausbildung interessieren oder selbst bald zum Lehrer ausgebildet werden. Auch relativiert er sehr eindrucksvoll das Bild des Lehrers als „fauler Sack“, wie es sogar der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder einmal formulierte.

Schule und Lernen als gelebte Demokratie

Bild: Filmplakat zu „Berlin Rebel High School“, Lizenz: Neue Visionen

Eine Schule der besonderen Art lernt der Zuschauer in Alexander Kleiders „Berlin Rebel High School“ kennen, der am 11. Mai 2017 deutschlandweit in die Kinos kommt und als bester deutscher Dokumentarfilm für den deutschen Filmpreis nominiert wurde. Im Fokus steht hier die SFE (Schule für Erwachsenenbildung in Berlin), die 1973 als basisdemokratisches Projekt gegründet wurde. Die SFE ist eine Schule ohne Direktor, ohne Druck und ohne Noten, die sich an Schülerinnen und Schüler richtet, die im „normalen“ Schulsystem aus verschiedensten Gründen nicht zurechtgekommen sind. In Vollversammlungen und Klassenkonferenzen werden an der SFE regelmäßig Probleme diskutiert und prinzipiell ist es sogar möglich, dass Schüler ihre Lehrer abwählen. Was wie eine antiautoritäre Utopie klingt, funktioniert in der Realität tatsächlich so gut, dass die SFE 2016 mit dem deutschen Schulpreis ausgezeichnet wurde.


Der Dokumentarfilm begleitet dabei über mehrere Jahre Schülerinnen und Schüler mit dem Ziel, das Abitur am SFE nachzuholen, das durch externe staatliche Prüfer dort abgelegt werden kann. Auch bei diesem Film fiebert der Zuschauer mit, ob die jungen Protagonisten ihre selbst gesetzten Ziele erreichen und sich zumindest wieder etwas mit dem System Schule identifizieren können. Einen besonderen Clou erfährt der Zuschauer aber erst am Ende des Films: Auch der Regisseur selbst, Alexander Kleider, hat sein Abitur an dieser Schule abgeschlossen. Entstanden ist so ein sicher nicht ganz unparteiisches, aber sehr sympathisches Bild einer Schule, die seit Jahrzehnten andere Wege geht.



Weitere Informationen zum Thema „Film und Unterricht“ finden Sie auf den Filmseiten des LMZ.

Film, Lehrkräfte, Studierende

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