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27.04.2017 | Sascha Schmidt

Potentiale und Herausforderungen digitaler Schulbücher

Dr. Florian Sochatzy. Bild: Christian Reinhold, LMZ

Bieten digitale Schulbücher wirklich einen Mehrwert für Lehrkräfte und Lernende? Dr. Florian Sochatzy vom Institut für digitales Lernen ging dieser Frage im Rahmen des Fachtags Geschichte am 6. April 2017 am Stadtmedienzentrum Stuttgart nach. Er erläuterte die Herausforderungen und Potentiale digitaler Schulbücher und stellte in diesem Kontext das mBook für den Geschichtsunterricht vor.

Digitalisierung als Chance zum Umdenken

Die digitale Zukunft birgt bereits jetzt radikale Veränderungen in allen Lebensbereichen, sie sind nur nicht von allen gleichermaßen erkennbar, so Dr. Florian Sochatzy. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung nimmt dabei rasant zu und hat auch Auswirkungen auf das Bildungswesen. Im Kontext schulischer Prozesse sollte die digitale Fortentwicklung allerdings nicht bedeuten, das Digitale einfach zu einem ansonsten unverändert gelassenen System von Lehr- und Lernprozessen hinzuzufügen, etwa als Technik der Materialpräsentation. Vielmehr ist es notwendig, sich auf digitalem Weg mit relevanten Fragestellungen auseinanderzusetzen und somit völlig neue Interaktionsweisen zu fördern. Der Weg zu einer digitalen Lernkultur birgt wiederum Änderungen in schulischen Raumgestaltungen, Zeitplanungen, Sozialformen und Kommunikationsweisen. Digitalisierung darf dementsprechend keineswegs ein zusätzliches „To-Do“ auf dem Arbeitsstapel des Bildungswesens sein, sondern muss dazu dienen, das Bildungswesen neu zu überdenken.

Potentiale und Herausforderungen

Bieten digitale Schulbücher in diesem Kontext tatsächlich einen Mehrwert für den Unterricht? „Es kommt darauf an.“, antwortet Dr. Florian Sochatzy vom Institut für digitales Lernen in Eichstätt. Denn digital heißt nicht zwangsweise besser, vor allem nicht, wenn Inhalte einfach nur digital nachgebildet werden. Analoge Schulbücher als nach wie vor zentrales Unterrichtsmedium des Geschichtsunterrichts müssen in ihrem Dasein vollständig überdacht werden. Ein bereits vorhandenes Schulbuch einfach digital als PDF aufzusetzen bietet keinerlei Mehrwert, betont Florian Sochatzy. Das digitale Schulbuch muss also komplett neu entwickelt werden, um die damit verbundenen Potentiale voll ausschöpfen zu können. Die Potentiale digitaler Schulbücher fasst Dr. Sochatzy in sechs Stichpunkten zusammen:

 

  • Aktives Erarbeiten statt passives Reproduzieren
  • Kreatives Problemlösen und strukturiertes Wissen statt unhinterfragte Wissensansammlung
  • Medienkompetenz statt passiver Medienkonsum
  • Differenzierung statt „Alle lernen zum gleichen Zeitpunkt das Gleiche.“
  • Lebensrelevanz statt reiner Lehrplanrelevanz
  • Kritisches Denken statt unreflektiertes Auswendiglernen


Ein didaktisch begründeter Medieneinsatz ist dabei genauso wichtig wie die Bedienerfreundlichkeit und eine intuitive Handhabung. Da die technischen Voraussetzungen an den Schulen stark differieren, muss eine plattformunabhängige Nutzung möglich sein, so am besten über einen Browser. Eine einfache Verwaltung der Nutzer/-innen, Differenzierungsmöglichkeiten und eine Verschmelzung von Arbeits- und Lehrbuch gehören für Dr. Sochatzy ebenfalls zu den notwendigen Merkmalen eines digitalen Schulbuchs.

Ein digitales Schulbuch für das Fach Geschichte

Dr. Florian Sochatzy. Bild: Christian Reinhold, LMZ

Dr. Florian Sochatzy zählt zu den wesentlichen Mitentwicklern des mBook, eines digitalen Schulbuchs für das Fach Geschichte. Das mBook befindet sich bereits seit dem Jahr 2015 in Nordrhein-Westfalen an 40 Pilotschulen im Einsatz. Zum Schuljahr 2017/18 wird es auch als Ausgabe für Baden-Württemberg erscheinen und mit den neu eingeführten Bildungsplänen abgestimmt sein. Das mBook ist im Gegensatz zu vielen analogen Schulbüchern nicht nach Klassenstufen, sondern themenspezifisch gegliedert. Innerhalb der einzelnen Kapitel arbeitet es mit verschiedensten medialen Elementen, dazu gehören u.a. Videos, Audioaufnahmen, animierte Bildergeschichten, interaktive Elemente wie selbst zu steuernde Interviews mit historisch bedeutsamen Persönlichkeiten, Statistiken, Drag- and Drop Elemente usw. Das mBook baut zudem auf unterschiedliche Niveaustufen. Bei Quellentexten kennzeichnet sich dies z.B. dadurch, dass für das höchste Niveau häufig die originale Quellensprache verwendet wird, während die Inhalte für die anderen Niveaustufen schrittweise vereinfacht werden. Am Anfang der einzelnen Kapitel steht jeweils eine Videoeinführung durch die jeweiligen Autorinnen und Autoren bereit. Für die Lehrkräfte werden die Kapitel darin auf einer didaktischen Metaebene erläutert. Für Schülerinnen und Schüler steht ebenfalls ein Einführungsvideo bereit, in dem auf inhaltliche Schwerpunkte des Kapitels eingestimmt wird.

 

Mehr Infos zum mBook und auch ein Demokapitel finden Sie hier. Zum Schuljahr 2017/18 wird auch eine abgestimmte Version für Baden-Württemberg erscheinen. Ein mBook für das Fach Deutsch ist auch bereits in Arbeit.

 

Mehr zur Medienbildung im Geschichtsunterricht der neuen Bildungspläne finden Sie auf unserer zentralen Informationsseite.

Geschichte, Lehrkräfte, Medienbildung, Tagungsdokumentation

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