MediaCulture-Online Blog

07.08.2015 | Sascha Schmidt

Angry Birds 2 – Spielspaß nur gegen In-App-Käufe

Screenshot aus Angry Birds 2 (Android-Version)

Mit der kürzlich veröffentlichten App Angry Birds 2 wird die äußerst bekannte und erfolgreiche Spielereihe rund um die katapultierbaren Vögel knapp sechs Jahre nach Erscheinen des ersten Teils fortgesetzt. Das finnische Entwicklerstudio Rovio setzt bei Angry Birds 2 allerdings nicht nur auf bekannte und bewährte Spielmechaniken, sondern auch auf ein neues Bezahlsystem. So kann die App zwar zunächst kostenlos in den jeweiligen App Stores heruntergeladen werden, ein frustfreies Spielen ist allerdings nur durch In-App-Käufe möglich.

Die erfolgreichste App-Spielereihe aller Zeiten

Der erste Teil der Angry-Birds-Reihe wurde bereits im Dezember 2009 für iOS-Geräte veröffentlicht und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer der weltweit bekanntesten App-Marken überhaupt. Es folgten zahlreiche Erweiterungen (z.B. Angry Birds Star Wars) sowie Spin-Offs (z.B. Bad Piggies) und mittlerweile kann die Marke sogar eine eigene TV-Serie, ein riesiges Merchandise-Angebot und einen bald erscheinenden Kinofilm aufweisen. Die Spiele selbst verzeichnen plattformübergreifend insgesamt mehr als 3 Milliarden Downloads (Stand: Juli 2015), was Angry Birds zur bislang erfolgreichsten App-Spielereihe überhaupt macht. Auch Angry Birds 2 scheint an diesen Erfolg anzuknüpfen und wurde wenige Tage nach Veröffentlichung bereits mehr als 20 Millionen Mal heruntergeladen.

Spielprinzip bleibt gleich, Bezahlmodell ändert sich

Screenshot aus Angry Birds 2 (Android-Version)

Das grundlegende Spielprinzip von Angry Birds blieb über die Jahre und die meisten Erweiterungsteile hinweg gleich: Ziel des Spiels ist es, vogelartige Figuren mit einer Steinschleuder so zu katapultieren, dass in den Levels möglichst viel Schaden angerichtet und gleichzeitig die im Spiel feindlichen grünen Schweinchen getroffen werden. Auch in Angry Birds 2 wurde an der grundlegenden Spielmechanik nur wenig verändert. Eine zentrale Änderung stellt allerdings das Bezahlmodell der App dar: Wurde der erste Teil der Angry-Birds-Reihe im Jahr 2009 noch kostenpflichtig gegen einen einmalig zu entrichtenden Betrag im App Store angeboten, so handelt es sich bei Angry Birds 2 um eine sogenannte Freemium-App. Freemium bedeutet, dass die App zunächst grundsätzlich kostenlos und frei verfügbar in den App Stores heruntergeladen werden kann. Erlöse werden im Spiel allerdings durch platzierte Werbung, kostenpflichtige Zusatzinhalte oder über In-App-Käufe erwirtschaftet. Die aktuell verfügbare Version von Angry Birds 2 nutzt bislang sowohl Werbung als auch In-App-Käufe. 

Frustfreies Spielen nur mit In-App-Käufen möglich

Screenshot aus Angry Birds 2 (Android-Version)

Wenn Spieler/-innen sich an einem der bisher insgesamt 240 verfügbaren Levels von Angry Birds 2 versuchen, stehen ihnen hierzu fünf „Leben“ beziehungsweise Versuche zur Verfügung. Sind diese fünf Versuche aufgebraucht, so können die Spieler/-innen nicht unmittelbar weiterspielen, sondern haben verschiedene Möglichkeiten, um das Spiel fortzusetzen:

  • Die Spieler/-innen können 30 Minuten warten (die verbleibende Zeit wird per Countdown visualisiert) und erhalten anschließend fünf neue Versuche.
  • Die Spieler/innen sehen sich einen Werbespot an und erhalten einen neuen Versuch. Für diesen Werbespot wird allerdings eine aktive Internetverbindung benötigt. Die Videos haben zudem eine nicht zu unterschätzende Datengröße. Dies kann vor allem dann problematisch und auch kostspielig werden, wenn die Spieler/-innen nicht über WLAN, sondern über eine mobile Datenverbindung online gehen.
  • Die Spieler/-innen erwerben neue Versuche per In-App-Kauf. Das Spiel verwendet hierzu eine virtuelle Währung (Edelsteine), die in der App gegen neue Versuche eingetauscht werden können.

Die Premium-Inhalte sind grundsätzlich geschickt in das Spielgeschehen integriert: Gerade die anfänglichen Levels sind in der Regel einfach zu meistern und motivieren durch Belohnungen sowie imposante Animationen zum Weiterspielen. Nach einigen Levels steigt der Schwierigkeitsgrad dann allerdings rasant an, sodass diese häufig nicht mehr beim ersten Versuch gelingen. Somit können die Spieler/-innen in den teils kniffligen Levels relativ schnell die fünf Leben aufbrauchen. Zwar bietet Rovio die kostenfreie Möglichkeit, mit einer Wartezeit von 30 Minuten kostenlos fünf neue Versuche zu erhalten, jedoch werden viele Spieler/-innen diese Wartezeit sicherlich nicht in Kauf nehmen wollen. Ähnliches gilt auch für die Werbeclips: Wer für jeden neuen Versuch stets einen etwa 30-sekündigen Werbeclip ansehen muss, bei dem kann dies durchaus schnell für Frustration sorgen. Wer zudem über keine oder nur eine eingeschränkte Internetverbindung verfügt, kann diese Möglichkeit überhaupt nicht nutzen. Somit lässt sich vermuten, dass der Fokus aus Entwicklersicht vor allem auf den Einnahmen per In-App-Käufe liegt.

Stolze Preise im In-App-Shop

Screenshot aus Angry Birds 2 (Android-Version)

Die Preise für die virtuelle Währung im In-App-Shop haben es durchaus in sich: So kosten beispielsweise 80 Edelsteine im Shop 0,99 Euro. Zur Wiederherstellung der fünf Leben beziehungsweise Versuche werden 60 Edelsteine benötigt. Dies entspricht umgerechnet etwa 0,15 Euro für einen einzigen neuen Versuch. Bei einem Spielumfang von aktuell 240 Levels (diese sollen im Laufe der nächsten Wochen noch erweitert werden) können somit durchaus schnell hohe Kosten entstehen.

 

Personalisierte, einmalige und zeitlich beschränkte Angebote im In-App-Shop sollen den Kaufanreiz zudem zusätzlich steigern (z.B. „Du wurdest für den Erhalt eines großen Rabatts ausgewählt! Verbleibende Zeit: 5 Minuten.“). Angry Birds 2 erhielt im Google Play Store zwar eine Altersfreigabe von null Jahren, aber gerade Kinder und Jugendliche können durch den Einsatz von virtuellen Währungen schnell den Überblick über tatsächlich getätigte Ausgaben verlieren.

Datenschutz mangelhaft

Screenshot aus den geforderten Berechtigungen bei Installation der App

In punkto Datenschutz ist Angry Birds 2 ebenfalls kritisch zu betrachten: So fordert die App zur Installation insgesamt neun Berechtigungen, darunter auch folgende: „Ermöglicht der App, die Telefonnummer und Geräte-IDs zu ermitteln, festzustellen, ob ein Anruf getätigt wird, und die bei einem Anruf verbundene Remote-Nummer zu erfassen“. Wer die App nutzen möchte, ermöglicht den Entwicklern (und gegebenenfalls Dritten) somit den Zugriff auf sensible Daten wie die eigene Telefonnummer und auch gewählte Rufnummern. Ob man die App nutzen und diese Daten preisgeben möchte, muss jede/-r Nutzer/-in aber schlussendlich selbst für sich entscheiden.

In-App-Käufe deaktivieren

Angry Birds 2 stellt insgesamt zwar ein ansprechend und motivierend gestaltetes Spiel dar, die Hauptproblematik der App liegt jedoch im geschickt involvierten System der In-App-Käufe. Zwar ist es völlig verständlich, dass das Entwicklerstudio Einnahmen erwirtschaften muss – aus Sicht der Spieler/-innen und zur besseren Übersicht über die tatsächlichen Kosten wäre jedoch ein einmalig zu zahlender Betrag sicherlich wünschenswerter gewesen.

 

Es bietet sich an, mit Kindern und Jugendlichen über das verwendete Bezahlsystem des Spiels zu sprechen. Um finanzielle Risiken einzudämmen empfiehlt es sich zudem, In-App-Käufe auf den mobilen Endgeräten nach Möglichkeit generell zu deaktivieren. Um dies zu tun, muss bei Android-Geräten im Google Play Store unter „Einstellungen“ der Punkt „PIN für Käufe verwenden“ ausgewählt werden. Anschließend wird vor jeder Transaktion ein vorher festgelegter PIN-Code abgefragt. Ähnlich bieten auch mobile Endgeräte mit Windows-Betriebssystem im Windows Phone Store unter „Einstellungen“ die Möglichkeit, einen „Brieftaschen-PIN“ für das Tätigen von In-App-Käufen festzulegen. Bei iOS-Geräten können in den Einstellungen unter „Allgemein“ die In-App-Käufe vollständig deaktiviert werden.

Weitere Informationen

In-Game-Käufe

Alterskennzeichen der USK im Google Play Store

Datenschutz

Computerspiele

Außerschulische Pädagogik, Computerspiele, Eltern, Jugendmedienschutz, Smartphone / Tablet, Werbung

Nein!Doch!Ohh!, 11.08.2015 um 00:28
k.w.T
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*