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19.12.2012 | Isabel Huber

Wir sind nicht nur Deko - Weblog-Workshop beim Kongress der Kinderrechte

Bild: Isabel Huber

Rund 80 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren zeigten vom 16. bis 18. November 2012 auf dem 2. Kongress der Kinderrechte im Stuttgarter Rathaus, was sie zu sagen haben. Unter dem Motto Wir sind nicht nur Deko veranstaltete das Deutsche Kinderhilfswerk in Kooperation mit der Stadt Stuttgart diesen Kongress, der ganz im Zeichen des Rechts auf Beteiligung stand, welches im Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist.

 

In verschiedenen Workshop-Gruppen konnten sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen austauschen, Forderungen an Gesellschaft und Politik erarbeiten und diese vorstellen. Innerhalb eines vom LMZ unterstützten Medien-Workshops wurde ein kongressbegleitendes Weblog erstellt.

 

Die Kinder und Jugendlichen, die aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten, brachten während des Kongresses zum Ausdruck, wie sehr es sie stört, dass sie oft nicht ernst genommen werden. Dass sie in wichtigen Entscheidungen kein Mitspracherecht haben und dass sie von Politikern gerne zu PR-Zwecken genutzt werden, jedoch dann auf die Reden keine Taten folgen. „Die Erwachsenen denken, wir wollen heute das und morgen etwas anderes. Dabei stimmt das gar nicht!“, sagt eine 15-jährige Teilnehmerin mit Nachdruck. „Wir wollen, dass wir als Experten für unsere Themen ernst genommen werden“.

Mehr Mitspracherecht im Schulleben gefordert

Bild: Isabel Huber

Vor allem im Schulleben verlangen die Kinder und Jugendlichen mehr Mitspracherecht. Oft können sie an ihrer Schule nichts ausrichten und nicht einmal die Meinung der Schülervertreter werde in Entscheidungen mit einbezogen. Zudem wünschen sich die Schüler mehr Sozialarbeiter an den Schulen. Um beispielsweise Ungerechtigkeiten in der Schulausbildung zu verhindern oder einen Schulwechsel bei einem Umzug einfacher zu gestalten, fordern sie ein einheitliches Schulsystem in Deutschland. Eindeutig ist auch ihre Forderung an die Bundesregierung: Kinderrechte gehören ins Grundgesetz!

 

Des Weiteren wünschen sich die Teilnehmer, dass mehr Kinder- und Jugendthemen in den Medien behandelt werden und dass sie sich selbst stärker an der Berichterstattung dieser Themen beteiligen können. Mit Unterstützung des Schauspielers und Botschafters des Deutschen Kinderhilfswerkes Markus Majowski und des Leiters der Kinderfilmakademie in Sindelfingen, Siegfried Barth, setzten die Teilnehmer ihre Themen kreativ und künstlerisch um.

 

Den ganzen Samstag über wurden motiviert Ideen gesponnen, Filmaufnahmen gemacht und Theaterszenen geprobt. Am Abend wurden die wichtigen Inhalte der Kinder und Jugendlichen dann mittels Improvisationstheater, Werbeclip, Radiospot und Pressekonferenz einem öffentlichen Publikum unterhaltsam präsentiert.

 

Am Sonntagmorgen hatten die Kinder und Jugendlichen die Gelegenheit, ihre Forderungen mit acht PolitikerInnen aus Land und Kommune und einer Vertreterin der Robert-Bosch-Stiftung zu diskutieren. Mit der Methode „Speed-Dating“ kam es zu einem regen Austausch der Beteiligten.

LMZ-Workshop „Erstell Dein eigenes Weblog“

Bild: Katrin Pohl

Durch Unterstützung des Landesmedienzentrum Baden-Württemberg wurde der viertägige Kongress von acht Kindern und Jugendlichen innerhalb eines Weblog-Workshops begleitet und dokumentiert. Die Vermittlung von Inhalten der Medienarbeit an die Teilnehmenden ermöglichte so, die auf dem Kongress entstandenen Ideen und Forderungen mittels Text, Foto und Video festzuhalten und öffentlich zu machen.

Der Link zum Blog: kr-kongress.dkhw.de

 

Ein Weblog eignet sich für eine begleitende Berichterstattung sehr gut, da Inhalte strukturiert und chronologisch dargestellt werden können und dynamisch und unmittelbar auf Ereignisse reagiert werden kann. Artikel können auch im Nachhinein noch ergänzt werden. Die Blog-Software WordPress erlaubt es, dass mehrere Benutzer gleichzeitig eingeloggt sind und an unterschiedlichen Artikel arbeiten. Außerdem bietet ein Blog die Möglichkeit, multimediale Inhalte online zu stellen und kann so Textarbeit, Fotografie, Bildbearbeitung, sowie Audio und Videoarbeit verbinden.

Bild: Katrin Pohl

Im Vorfeld zu dem Workshop wurde auf einem Server des Deutschen Kinderhilfswerk ein WordPress-Blog installiert. So wurde gewährleistet, dass keine Anmeldedaten auf einem Server eines fremden Bloganbieters landen und Videos mussten nicht auf YouTube hochgeladen werden, um sie im Blog einzubetten, sondern können ebenfalls direkt vom Server des DKHW abgespielt werden. Der Ablauf des Weblog-Workshops richtete sich nach dem Ablauf des Kongresses.

So wurde zu Beginn eines jeden Tages gemeinsam besprochen und eingeteilt, welche Veranstaltung des Kongresses in welcher Form abgebildet werden soll, wer welchen Artikel schreibt und wer was fotografiert oder filmt. Die Kinder und Jugendlichen erlebten unter realen Bedingungen, was es bedeutet, sich Inhalte zu erarbeiten, ein Medienprodukt zum Teil unter Zeitdruck zu erstellen und auch zu reflektieren: kann ich das so veröffentlichen ohne die Meinung einer anderen Person falsch wiederzugeben?

Die ersten Inhalte des Blogs wurden mittels eines Kennenlernspiels erarbeitet. In Zweiergruppen interviewten sich die Kinder und Jugendlichen gegenseitig und erfragten neben Vorname und Alter das jeweilige Lieblingsmedium und die Gründe, warum sie in der Blog-Gruppe mitarbeiten wollten. Die Steckbriefe die dabei entstanden, wurden dann inhaltlich strukturiert und visuell aufbereitet als Vorstellung der Blog-Redaktion online gestellt.

Bild: Sarah Narweleit

Die Funktionsweise der Blog-Software und der audiovisuellen Aufnahmegeräte haben sich die Kinder und Jugendlichen nach einer kurzen Einführung „learning by doing“ angeeignet. Außerdem konnte sich jeder je nach Alter und Interessen einbringen, angemessen an den jeweiligen individuellen Kenntnisstand. Die 9-jährige Lilly wählte zum Beispiel zum Verfassen ihres Blog-Artikels ein herkömmliches Blatt Papier. Dieses wurde dann abfotografiert und auf den Blog gestellt.

 

Die 12-jährige Annemarie hatte schon Erfahrungen im Erstellen eines Weblogs und erwies sich als Expertin im Umgang mit der Blog-Software und konnte so den anderen Hilfestellung geben.

Multimediale Möglichkeiten

Antonia (15) und Sabou (17) erstellten eine Videoumfrage. Mit dem Tonaufnahmegerät und einer Fotokamera gingen sie in die Stuttgarter Innenstadt, um Passanten zum Thema „Beteiligungsrechte für Kinder“ zu befragen. Danach schnitten sie die aufgenommenen Töne und unterlegten sie mit Fotos der Interviewten. „Ich habe gelernt, wie man schneidet! Und vor allem, dass einige Leute einfach ihre Botschaft loswerden wollen, gar nicht zuhören und nicht darauf eingehen, auf das was man eigentlich gefragt hat.“, reflektiert Antonia ihre Arbeit.

 

Da sie nicht gerne Texte schreibt, zog die 17-jährige Katrin mehrmals am Tag mit einer Spiegelreflexkamera los, um Impressionen des Kongresses einzufangen. Ihr gesammeltes Fotomaterial wurde in der Gruppe besprochen und es wurden ihr Tipps gegeben, auf was sie achten kann, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Die Fotoimpressionen veröffentlichte sie in einer Fotogalerie auf dem Blog.

 

Iris (16) hat in den vier Workshop-Tagen acht Artikel erstellt und gelernt, „dass ich ruhig selbstbewusster sein kann“, denn offensichtlich kamen ihre Texte sehr gut an und sie hat viele positive Rückmeldungen bekommen.

 

Eingebettet in die aktive Medienarbeit wurde auch auf Aspekte wie Urheberrecht und Datenschutz eingegangen. Beim Bebildern eines Artikels kam die Frage auf: „Einfach mal Fotos googeln und was Passendes einfügen?“. Am konkreten Beispiel lernten die Teilnehmer, dass dies so nicht erlaubt ist und hier das Urheberrecht gilt. Sie erfuhren, was lizenzfreie Inhalte sind und wie man sie im Internet finden und verwenden kann.

 

Sehr beeindruckend für mich als Workshopleiterin war, wie die individuellen Kenntnisse aus ganz unterschiedlichen Bereichen, die die Kinder und Jugendlichen mit in den Workshop brachten, zu einem großen gemeinsamen Wissenspool wachsen konnten. So entstand ein richtig professionelles, multimediales Medienprodukt. Die Kinder und Jugendlichen können stolz sein auf eine umfassende Berichterstattung über ihren Kongress.

Außerschulische Pädagogik, Blogs

KennethSow, 22.05.2018 um 19:35
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