MediaCulture-Online Blog

08.11.2013 | Nina Thoss

Medienbildung im Gemeinschaftskundeunterricht

Die Rolle der Medien in der Politik

In der politischen Bildung soll die eigene politische Handlungs- und Urteilskompetenz gestärkt sowie Methoden- und Medienkompetenz aufgebaut werden. Medien sind dabei Unterrichtsinhalt, Material und Lernhilfe zugleich. Schüler und Schülerinnen können z. B. über die Rolle und die Probleme der Massenmedien in der Gesellschaft diskutieren, im Computerspiel politische Entscheidungsprozesse simulieren, sich ein Thema über ein Webquest erschließen oder einen eigenen Blog, ein Wiki oder einen Podcast zu einem politischen Thema herstellen – es gibt eine Vielfalt an unterschiedlichen Medien und Möglichkeiten. Besonders durch die digitalen Medien haben sich die Medienlandschaft und auch die Partizipationsmöglichkeiten verändert: Herrschte früher das journalistische Einwegmodell Produzent-Rezipient, stehen durch die digitalen Medien potentiell allen Bürgerinnen und Bürgern interaktive Ausdrucksformen zur Verfügung, um sich am öffentlichen Informations- und Meinungsbildungsprozess zu beteiligen. Dies hat einerseits Auswirkungen auf die politische Kommunikation und Partizipation, andererseits bietet es auch interessante Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Im Folgenden sollen anhand einiger thematischer Schwerpunkte exemplarisch Ansatzmöglichkeiten aufgezeigt werden.

Mediendarstellungen reflektieren

Politik wird in einer modernen Informationsgesellschaft in erster Linie durch die Medien vermittelt. Angesicht der „Medienflut“ ist es wichtig, sich mit den unterschiedlichen medialen Darstellungsformen auseinanderzusetzen und dabei ihre Auswirkung auf den Inhalt kritisch zu hinterfragen und zu analysieren – beispielsweise die Bildgestaltung, die Darstellung von Symbolen, die Dramaturgie, aber auch Bild- bzw. Tonmanipulation und -reduktion usw. Besonders Web 2.0-Anwendungen prägen neben den klassischen Medien immer mehr das politische Verständnis oder das gesellschaftliche Bild. PolitikerInnen und Institutionen sind nicht mehr ausschließlich auf die Presse angewiesen, sondern erstellen eigene Webseiten, Podcasts, Videospots oder Blogs, twittern oder organisieren Facebook-Partys. Neben der inhaltlichen Schwerpunktsetzung wollen sich PolitikerInnen mit Web 2.0-Anwendungen positiv darstellen, z. B. als modern, sympathisch oder mediengewandt. Oftmals werden diese Botschaften auch von Journalisten aufgegriffen und können die Berichterstattung beeinflussen (siehe dazu auch die Ergebnisse der Tagung Medien und Politik). Gerade zu Wahlkampfzeiten lohnt sich eine kritische Analyse dieser Medien nach inhaltlichen Schwerpunkten – aber auch nach Inszenierungskriterien. Ein Katalog zur Analyse von Podcasts findet sich z. B. auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Problematisch wird diese politische Selbstinszenierung beispielsweise beim Rechtsradikalismus, denn sie findet immer häufiger versteckt statt. Rechtsradikale unterwandern dabei unter anderem Soziale Netzwerke, Chats, Foren und Onlinespiele. Daher ist es besonders wichtig, die Strategien und Codes der rechten Szene zu kennen, um sie zu entlarven. Weitere Informationen zu Unterrichtsmaterialien finden sich im Special Rechtsradikalismus.

Möglichkeiten der demokratischen Teilhabe durch digitale Medien

Digitale Medien eröffnen den BürgerInnen neue Kommunikations- und Partizipationschancen. Aus diesem Grund trägt ein Unterrichtsmodul den provokanten Titel Brauchen wir bald keine Rathäuser mehr?. In der Folge lernen die Schülerinnen und Schüler anhand alltäglicher Fragen die Aufgaben der Stadtverwaltung und des sog. E-Government lernen und setzen sich kritisch mit den Vor- und Nachteilen dieser neuen Informations- und Partizipationsformen der Stadtverwaltung auseinander. Es gibt noch viele weitere interessante politische Partizipationsmöglichkeiten im Netz, die im Rahmen des Unterrichts untersucht und bewertet werden können.

  • Zum Beispiel werden bei epetitionen.bundestag.de Anliegen von BürgerInnen an den Bundestag eingereicht, gezeichnet oder diskutiert.
  • Die Plattform abgeordnetenwatch.de bietet u. a. die Möglichkeit, Abgeordneten Fragen zu stellen oder zu beobachten, wie sich diese bei Abstimmungen verhalten haben.
  • Bei Projekten wie dem Stadtwiki, dem multimedialen Kinderstadtplan oder dem Videoprojekt Das Leben in unserem Stadtteil betrachten die Kinder und Jugendlichen ihren eigenen Lebensraum und können dessen Möglichkeiten oder auch mögliche Missstände aufzeigen.

Beim Veröffentlichen und Präsentieren der Projekte im Netz lernen die SchülerInnen wichtige Handlungskompetenzen und Partizipationsmöglichkeiten, die für die Informationsgesellschaft relevant sind. Hierbei müssen sie sich auch mit rechtlichen Fragen der Veröffentlichung, des Urheberrechts sowie dem Datenschutz auseinandersetzen. Dies gilt auch für andere Medienprojekte im Internet, wie beispielsweise dem Podcasten oder Bloggen zu einem politischen Thema oder dem Erstellen von Nachrichten.

Digitale Medien als Lernhilfen

Dass Politik nicht trocken sein muss, vermitteln interaktive Lernplattformen, Simulationen und Politikspiele für Kinder und Jugendliche im Netz. Bei Föderalion können Schülerinnen und Schüler interaktiv und spielerisch das parlamentarische System und den Föderalismus erkunden. Bei dem Mitmachportal mitmischen.de – Das Jugendportal des Deutschen Bundestages werden neben jugendgerechten Informationen Diskussionsmöglichkeiten, Abstimmungen und Chats zu politischen Themen geboten. Jüngeren Schulklassen ermöglichen Portale wie Kuppelkucker oder HanisauLand einen Einstieg zu politischen Themen. Simulationsspiele wie Parlamentsprofi oder Power of Politics können den jungen Leuten helfen, komplexe politische Prozesse nachzuvollziehen und eigene Spielerfahrungen zu reflektieren. Zum Thema Wahlen (siehe dazu auch das Special Wahlen 2009: Aktiv mit Schülern arbeiten) ist der Wahl-O-Mat ein Klassiker unter den Simulationstools: Hier kann der / die Spielende politische Thesen bewerten und diese mit den Antworten der Parteien vergleichen. Wird das Internet im Unterricht als Rechercheinstrument genutzt, besteht die Gefahr, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Netz verlieren. Die Webquestmethode hilft dieses zu vermeiden, indem die Klasse bei der problemorientierten Spurensuche im Netz konkrete Anleitungen und Materialien erhält. Beispielweise sollen die SchülerInnen im Webquest Europa in unterschiedliche Rollen schlüpfen und Fragen zur EU beantworten. Im schnelllebigen Internet ist hierbei ein Nachteil, dass die Links in den Webquests oft nicht aktualisiert werden. Es lohnt sich daher, selbst aktiv zu werden und mit einem Webquestgenerator (z. B. auf der Seite wirtschaft-lernen.de) ein eigenes Webquest für die oder mit der Schulklasse zu erstellen. Auch das mobile Lernen wird durch digitale Medien erleichtert. Beim Geocaching erfahren die Kinder und Jugendlichen beispielsweise etwas über ihren sozialen Lebensraum: Ausgerüstet mit einem GPS-Gerät begeben sie sich auf eine digitale Schnitzeljagd. Beispielsweise müssen die SchülerInnen beim Multicache Landtagsgeschichten vier Stationen mit Rätseln zum nordrhein-westfälischen Landtag lösen, um an die Zielkoordinaten zu kommen. Lernchancen eröffnen sich dabei vor allem, wenn die Klasse selbst eigene Geocachingtouren zu historisch-politischen Themen erarbeitet, die dann wiederum von den Nutzern im Internet bewertet werden können. In dem Unterrichtsmodul Geocaching lernen die Schülerinnen und Schüler, wie sie selbst eine solche digitale Schnitzeljagd erstellen. Auch #PB21, ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks zum Thema Web 2.0 in der politischen Bildung, stellt unter anderem Anregungen, Tipps und Tools für die Entwicklung mobiler Spiele zur Verfügung.

Zur Autorin:

Nina Thoss ist Erziehungs– und Kulturwissenschaftlerin und hat an der Universität Gießen unter anderem Seminare zu mediendidaktischen Themen in der politischen Bildung angeboten sowie Fachmaterialien publiziert; sie ist als freie Medienpädagogin tätig.

Links

epetitionen.bundestag.de

Diese offizielle Seite bietet BürgerInnen die Möglichkeit, ihre Anliegen an den Bundestag einzureichen und bestehende Petitionen zu unterzeichnen oder zu diskutieren.

 

abgeordnetenwatch.de

Die Plattform bietet u. a. die Möglichkeit, Abgeordneten Fragen zu stellen oder zu beobachten, wie sich diese bei Abstimmungen verhalten haben.

 

Föderalion

Auf dem Jugendportal des deutschen Bundesrates können Schülerinnen und Schüler interaktiv und spielerisch das parlamentarische System und den Föderalismus erkunden.

 

mitmischen.de

Auf dem Jugendportal des deutschen Bundestags werden neben jugendgerechten Informationen Diskussionsmöglichkeiten, Abstimmungen und Chats zu politischen Themen geboten.

 

Kuppelkucker

Das Kinderportal des deutschen Bundestags.

 

Hanisauland

Das Kinderportal der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

 

Parlamentsprofi

Dies ist ein Simulationsspiel des deutschen Bundestages, bei dem junge Leute komplexe politische Prozesse nachvollziehen können.

 

Wahl-O-Mat

Bei diesem klassischen Simulationstool zur Wahl, das die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) herausgibt, kann der / die Spielende politische Thesen bewerten und diese mit den Antworten der Parteien vergleichen.

 

Webquest Europa

Ein Webquest stellt konkrete Anleitungen und Materialien für die problemorientierte Suche im Netz zusammen; bei diesem Beispiel schlüpfen die SchülerInnen in unterschiedliche Rollen und beantworten Fragen zur EU.

 

Webquestgenerator Wirtschaft-Lernen.de

Ein Webquest stellt konkrete Anleitungen und Materialien für die problemorientierte Suche im Netz zusammen; mit einem Webquestgenerator kann man ein eigenes Webquest für die oder mit der Schulklasse erstellen.

 

Multicache Landtagsgeschichten

Beim Geocaching begeben sich Kinder und Jugendliche ausgerüstet mit einem GPS-Gerät auf eine digitale Schnitzeljagd; bei diesem Beispiel müssen die SchülerInnen vier Stationen mit Rätseln zum nordrhein-westfälischen Landtag lösen, um an die Zielkoordinaten zu kommen. 

 

Mobile Lernspiele selbst gemacht. Werkzeuge, Tipps und Ideen

#PB21 ist ein gemeinsames Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks zum Thema Web 2.0 in der politischen Bildung; auf dieser Seite stellt das Projekt Anregungen, Tipps und Tools für die Entwicklung mobiler Spiele zur Verfügung.

Gemeinschaftskunde, Lehrkräfte, Medienbildung

Keine Kommentare
Kommentar hinzufügen

* = Pflichtfeld

*
*
*

CAPTCHA Bild zum Spamschutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*