Lernen mit Medien

Bild: Brad Flickinger, Lizenz: CC BY

Der Einsatz von Medien in der Schule hat bereits eine lange Tradition. An das Aufkommen neuer Medientechnologien knüpfen sich in der Regel bald Erwartungen, mit ihnen das Lernen in der Schule verbessern zu können. In den 1970er-Jahren waren dies etwa Filme und Sprachlabore, in den 1990ern der Computer und heute ist es das vielzitierte Web 2.0. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass diese Erwartungen oftmals nicht erfüllt werden konnten. Dies lag sowohl am unzureichenden Bedienkomfort der Geräte als auch an nicht angemessenen Lernkonzepten. In der Didaktik der 1970er-Jahre wurde oft von instruktiven Lehr-Lern-Konzepten ausgegangen, bei denen die Technologie lediglich ein Werkzeug zur einfacheren und individuelleren Durchführung herkömmlicher Lernprozesse diente. Die gleiche Gefahr besteht gegenwärtig ebenso im Lernen mit PCs oder Tablets. Um sie zu erkennen, muss man sich bewusst machen, dass nicht allein die Technik das Lernen verbessert, sondern in weit größerem Maße die Form des Lehrens und Lernens an sich.

 

Reformpädagogische Ansätze haben schon vor einem Jahrhundert zu der Erkenntnis geführt, dass selbstständige, explorative Lernprozesse mindestens so wichtig sind wie die herkömmliche, instruktive Form von Wissensvermittlung, wie sie im klassischen Frontalunterricht stattfindet. Verknüpft mit den Möglichkeiten, die moderne Medientechnologien heute bieten, ergeben sich hieraus ernsthafte Chancen für einen an aktuelle gesellschaftliche Bedingungen angepassten Unterricht. Wenngleich viele zu Übertreibungen neigen, was die Tragweite der gegenwärtigen Veränderungen im Umgang mit Wissen und Informationen durch das Internet angeht, so lässt sich doch nicht leugnen, dass das Lernen in der Schule sich verändern muss.

Computer im Unterricht: Ersatz, Verstärker oder Umgestaltung

Die US-Forscherin Joan Hughes nennt in einem 2005 erschienen Artikel drei Funktionen von Computern im Unterricht: Ersatz, Verstärker oder Umgestaltung. [1] Werden die digitalen Medien als Ersatz eingesetzt, so ändern sich weder die Lernprozesse noch die Lernziele. Das Lernen erfolgt in klassischen Schemen von Instruktion und Reproduktion – mit dem einzigen Unterschied, dass hierbei Computer eingesetzt werden. Beim Einsatz von Medientechologie als Verstärker wird der Vorteil genutzt, dass mit ihnen gewisse Aufgaben effizienter oder effektiver bearbeitet werden können. An der Art der Aufgaben ändert sich prinzipiell nichts. Werden die Medien jedoch zur Umgestaltung eingesetzt, können sie dazu beitragen, dass der Unterricht insgesamt verändert und modernisiert wird: Inhalte und Lernvorgänge können sich ebenso ändern wie die Rolle der Lehrperson und die Art und Weise, wie Schülerinnen und Schüler Probleme lösen.

 

Computer und Internet können auf vielfältige Weise gewinnbringend in den Unterricht integriert werden. Im kreativ-künstlerischen Bereich bei der Bearbeitung von Bilder und Videos ebenso wie bei der Recherche von Informationen oder der Präsentation von Unterrichtsergebnissen und nicht zuletzt beim Lernen über die Medien an sich, über Datenschutz, Urheberrecht sowie Risiken und Potenziale der gegenwärtigen und zukünftigen Technologien.

Lernformen

Doch in welchen Lernformen lassen sich diese Medientechnologien konkret einsetzen? Als einer von zahlreichen Katalogisierungsversuchen sei hier die Einteilung aus dem Lehrwerk L3T von Martin Ebner und Sandra Schön exemplarisch herangezogen.

Selbstorganisiertes Lernen

Hierbei erledigen die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgaben weitgehend selbstständig. Das Internet oder Lernsoftware kann dabei eine Hilfe sein. Projekte wie die Mediengestützten Selbstlernphasen des LMZ auf Basis von Moodle weisen in diese Richtung.

Offenes Lernen

Beim offenen Lernen kann zwischen verschiedenen Inhalten und Schwierigkeitsstufen ausgewählt werden, was zu mehr Eigenverantwortung bei den Schülerinnen und Schülern führt. Gerade im Hinblick auf die Differenzierung können digitale Medien hierbei eine Hilfe sein.

Fächerübergreifendes Lernen

Beim fächerübergreifenden Lernen, dem bereits die Fächerverbünde in den aktuellen Bildungsplänen Rechnung tragen, werden Themenbereiche aus der Perspektive verschiedener Fächer beleuchtet. Der Computer kann dabei als Informationsressource dienen.

Kooperatives Lernen

Gemeinsames Lernen in Teams, über Klassen-, Stadt- oder Ländergrenzen hinweg kann in idealer Weise durch das Internet unterstützt werden. Insbesondere beim Fremdspracherwerb ist dies von Bedeutung, etwa wenn mit Klassen in anderen Ländern kommuniziert wird.

Entdeckendes Lernen

Das Internet bietet die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler im Unterricht aufkommenden Fragen selbständig im Internet nachgehen und die Antworten vorstellen. L3T nennt zudem WebQuests und Internet-Ralleys als mögliche Spielformen des entdeckenden Lernens mit Computer und Internet.

Kreatives Lernen

Als Werkzeug kreative Betätigungen bieten Computer mannigfaltige Möglichkeiten: Ob mit Text, Bild oder Ton, eigene künstlerische Medienproduktionen lassen sich mithilfe entsprechender Programme und Peripheriegeräte wie Kamera, Scanner oder Mikrofon erstellen oder bearbeiten.

Spielendes Lernen

Nicht unumstritten ist der Ansatz, Lernspiele in den Unterricht einzubauen. Kinder und Jugendliche kennen den Computer aus ihrer eigenen Erfahrung meist primär als Spiel- und Freizeitgerät. Hieran anknüpfend lassen sich einzelne Lernziele spielerisch mit eigens dafür erstellten Lernspielen erreichen.

Lernen über den Computer

Was in der Einteilung im L3T-Artikel als „Lernen über den Computer“ bezeichnet wird, ist der im klassischen Sinne verstandene Computerunterricht: Das Erlernen der Bedienung des Computers an sich, vom Umgang mit Maus und Tastatur über die Bedienung verschiedener Softwareprogramme bis zur Installation und Wartung derselben.

Kompetenzentwicklung

Hierunter verstehen die Autoren das Erlernen der „Wirkungsweisen von neuen Medien“, also das, was nach dem LKM-Positionspapier als Bereich „Analyse“ gilt: Wie funktionieren Medien? Was wollen sie bewirken und mit welchen Mitteln erreichen sie das? Hier liegt der Übergang zum Lernen über Medien.

Quellen

[1] Hughes, Joan: The role of teacher knowledge and learning experiences in forming technology-integrated pedagogy. In: Journal of Technology and Teacher Education 13/2, S. 277–302. Zitiert nach Breiter, Andreas/Weling, Steffen/Stolpmann, Björn Eric: Medienkompetenz in der Schule. Integration von Medien in den weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2010, S. 15. [zurück]