Bericht von Martin Löhle, Realschullehrer, Fachberater im Staatlichen Schulamt Stuttgart:

 

„Der Geschichtsunterricht mit dem Bildungsplan 2016 - erweitert um das ‚Fenster zur Welt’ – bietet Möglichkeiten, verschiedene Spiegel zu den unterschiedlichsten Themen und Epochen der Weltgeschichte aufzumachen. 100 Jahre in der Mitte des Ersten Weltkriegs öffnet sich mit dem Film ‚Das Projekt des Ingenieurs Pright’ - Regie: Lew Wladimirowitsch Kuleschow (Лев Владимирович Кулешов), gedreht im Chanzhonkow-Studio (Ханжонков) 1918, die Zeit zum Ende des Weltkrieges. Konkret der Oktoberrevolution 1917.

Im Sinne von Fenster und Spiegel zur Welt ist dieser Film aber auch ein Spiegel zurück. Ein russischer Film: in Russland entstanden, der jedoch in Amerika spielt.

Im Workshop mit russischen Studentinnen fällt dann schnell auf, dass so ein ‚Fenster zur Welt’ erst lebendig wird, wenn mit den Menschen auf der anderen Seite des Fensters, um im Bild zu bleiben, in Austausch getreten wird. Somit wird man als Unterrichtender schon fast zum Zeitzeugen:

Dinge, die durch die eigene Sozialisation, durch den erlebten Geschichtsunterricht, als Schüler und Lehrer, scheinbar fix sind, werden ziemlich schnell relativiert.

So scheint der Film ‚Das Projekt des Ingenieurs Pright’ näher an der Jetztzeit hier in Deutschland angedockt, als an der derzeitigen russischen Realität. Stichworte: Umweltschutz (Energie sparen), Emanzipation, Kapitalismus-Kritik. Um nur die wichtigsten zu nennen.

Außerdem wirkt der Film bei der Auseinandersetzung damit mehr als Spiegel der Zeit vor 100 Jahren, als Dokumentarfilme mit Originalmaterial und auch Spielfilme über diese Zeit.

Diese Punkte konnten in dem ca. einstündigen Workshop schön herausgearbeitet werden.”

So der Rückblick von Martin Löhle.

 

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