Interaktive Whiteboards: Überblick

Bild: Kevin Jarrett, Lizenz: CC BY

 

 

Interaktive Whiteboards halten kontinuierlich Einzug in deutsche Klassenzimmer, wo sie die klassischen Kreidetafeln ergänzen und ersetzen – eine gravierende Veränderung der Lernumgebung. Bei entsprechender Nutzung können die elektronischen Tafeln durchaus Gewinn bringende didaktische Potenziale entfalten und nach einer gewissen Einarbeitungsphase für Lehrende und Lernende zu Arbeitserleichterungen führen.

 

Bei einem Interaktiven Whiteboard, kurz IWB, handelt es sich um eine Weißwandtafel, die über Beamer und Computer zu einem großen „Touchscreen“ wird. Mit einem Stift oder per Hand kann auf dem Whiteboard wie mit einer Computermaus gearbeitet werden. Kurz- oder Ultrakurzdistanzbeamer verhindern dabei, dass die an der Tafel arbeitende Person die Bildprojektion stört. Je nach technischer Funktionsweise ist dabei entweder die Oberfläche der Tafel berührungsempfindlich und gibt die Positionsdaten des Stifts an den PC weiter, oder der Stift sendet Signale, aus denen Sensoren am Tafelrand seine Position ermitteln. Die unterschiedlichen Whiteboard-Technologien verschiedener Hersteller bieten jeweils Vor- und Nachteile, insgesamt stehen jedoch bei allen die gleichen Anwendungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Integration zahlreicher Medien in einem

Ein IWB kombiniert die Funktionen zahlreicher Medien in einem: Tafel, Overheadprojektor, Diaprojektor, Flipchart, DVD- und CD-Player und Internet. Über den angeschlossenen Rechner lassen sich alle Medien integrieren, wodurch das Reservieren und Transportieren von Beamern oder Multimedia-Wagen sowie das Vorhalten von Overheadprojektoren überflüssig wird. Tafelbilder lassen sich vorab erstellen und müssen somit nicht erst im Klassenraum angebracht werden. Zudem hat die Lehrkraft die Möglichkeit, Tafelbilder digital zu speichern und in der folgenden Stunde wieder aufzurufen oder den Schülerinnen und Schülern in Dateiform zukommen zu lassen. Medien, ob vom USB-Stick, dem Schulserver oder direkt aus dem Netz, lassen sich problemlos und ohne Aufwand in den Unterricht integrieren.

 

Derzeit laufen in einigen Bundesländern Finanzierungsprogramme zur Anschaffung von IWBs, teilweise geht die Initiative auch von engagierten Schulleitungen und Lehrkräften aus. In anderen Ländern, etwa in Großbritannien, ist die Entwicklung schon weiter vorangeschritten. in England waren beispielsweise bereits im Jahr 2007 fast alle Schulen mit IWBs ausgestattet.

Erfahrungen anderer Länder nutzen

Vom Vorsprung anderer Länder können die Projekte in Deutschland profitieren, da zahlreiche Erfahrungen in Studien dokumentiert sind. Aus Beobachtungen in verschiedenen europäischen Ländern geht Stefan Aufenanger und Petra Bauer zufolge hervor, dass die meisten Lehrpersonen zwar von der neuen Technologie angetan sind und sie rege nutzen, jedoch meist nur einen Bruchteil der Funktionen. Dabei handelt es sich gerade um jene Funktionen, die auch mit einem herkömmlichen Beamer-PC-Leinwand-System möglich sind. [1]

 

Schon aus solchen Befunden ist zu erkennen, dass es mit der Anschaffung von Whiteboards für die Schule allein nicht getan ist. Wenn das volle Potential der Geräte ausgenutzt werden soll, sind Schulungen für das Lehrpersonal und Multiplikatoren unerlässlich. Dies sollte sich nicht auf die Weiterbildungsangebote der Hersteller beschränken. Diese bieten zwar fundierte technische Unterstützung und die Mitarbeiter kennen sich mit den Funktionen der Hard- und Software bestens aus, doch fehlen hier meist didaktisch-methodische Anleitungen. Es hat sich gezeigt, dass ein Medienkonzept für den sinnvollen Einsatz an einer Schule sehr von Vorteil ist, auch die Integration des IWB-Einsatzes in das schulische Mediencurriculum hat sich bewährt. Ein Team aus interessierten und aufgeschlossenen Lehrkräften sollte die Einführung der Boards technisch und didaktisch begleiten, Ziele festlegen und die Schulung der übrigen Kräfte übernehmen.

 

Bevor für eine Schule Interaktive Whiteboards angeschafft werden, ist einiges an Sachfragen zu klären. Der Markt ist mittlerweile recht unübersichtlich geworden, es stehen zahlreiche Hersteller und vier grundlegend unterschiedliche Techniken zur Verfügung, zudem verschiedene Formate und Größen von Boards, unterschiedliche Beamertypen und verschiedene Möglichkeiten, die elektronischen Tafeln anzubringen.

Quellen

[1] Aufenanger, Stefan und Bauer, Petra: Interaktive Whiteboards. Neue Chancen für Lehrer, Schüler und Schule. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 7. [zurück]