Interaktive Whiteboards: Bedienung

Bild: Dan Zen, Lizenz: CC BY

Einstieg

Nach der Anschaffung und Installation von Whiteboards in der Schule kommen weitere Aufgaben auf Schulleitung und Kollegium zu. So betont etwa Thomas Irion (PH Weingarten) in Computer und Unterricht Nr. 78, dass nicht die Boards an sich den Unterricht revolutionieren, sondern ein adäquater, auf die Lernenden abgestimmter Einsatz. [1] Daher kommt entsprechenden Lehrerfortbildungen ein hoher Stellenwert zu, was zu weiteren Kosten und weiterem Aufwand führt. Dies sollte in der Planung berücksichtigt werden. Irion unterscheidet drei Kompetenzbereiche für die Innovation von Unterricht mit IWBs: Technische Kompetenzen, Mediendidaktische Kompetenzen und Kompetenzen zur Einbindung in die Fachdidaktik. [2]

 

Mit den technischen Kompetenzen ist der souveräne Umgang mit der Hard- und Software gemeint. Zunächst sollten die Lehrkräfte sich die Kompetenzen aneignen, das Board als Ersatz für die herkömmliche Tafel zu verwenden. Nach und nach können dann die weiteren Funktionen der Boardsoftware erprobt, eingeübt und zum Einsatz gebracht werden. Nach vertiefter Einarbeitung beherrschen die Lehrpersonen dann den Umgang mit Layertechniken und die Integration von Internetlinks oder anderen Medienquellen, Videos, Audiofiles sowie das Anschließen externer Geräte ohne Zeitverlust und damit einhergehenden lästigen Unterbrechungen des Unterrichts.

Wann ist der Einsatz sinnvoll?

Mediendidaktische Kompetenzen sind gefragt, wenn es darum geht, die Boards als integralen Bestandteil der Lernumgebung einzusetzen. Auf der höchsten Kompetenzstufe sollte dann die alltägliche Schularbeit auf dem Board abbildbar und durchführbar sein. Allerdings gehört es auch zur mediendidaktischen Kompetenz, im Einzelfall entscheiden zu können, wo der IWB-Einsatz sinnvoll ist, und in welchen Situationen die Arbeit an einer herkömmlichen Tafel dem Unterricht besser gerecht wird. Zudem ist ein Unterricht auf der höchsten technischen und mediendidaktischen Kompetenzstufe unter Einbeziehung aller Möglichkeiten kein Garant für einen guten Unterricht. Umgekehrt kann auch ein Unterricht mit Whiteboard auf der einfachsten Niveaustufe sehr gut sein. [3] Irion verweist darauf, dass die erwähnten Niveaustufenmodelle die Einbindung in die Fachdidaktik, das Unterrichtsthema und die Ausrichtung auf die entsprechende Altersstufe der Lerngruppe ausklammern. Doch auch hier sind spezifische Kompetenzen nötig, um die Technik im jeweiligen Fach und der jeweiligen Stufe adäquat einzusetzen.

 

Petra Bauer und Stefan Aufenanger haben ebenfalls ein Stufenmodell entwickelt, das die Kompetenzentwicklung bei der Arbeit mit dem IWB darstellt. Dieses soll hier in verkürzter Form wiedergegeben werden: [4]

Stufe 1: Basis

  • Nutzung des IWB vorrangig als Präsentationsmedium und Projektionsfläche
  • Steuerung zumeist mit der Maus, kaum Schreibarbeit am Board

Stufe 2: Gestaltung

  • Arbeit im Unterricht überwiegend am Board
  • Gewöhnung an interaktive Funktionalitäten
  • Steigendes Vertrauen in die Technik; Integration interaktiver Elemente in den Unterricht
  • Auch Schülerarbeit am Board

Stufe 3: Mühelosigkeit, Gewandtheit, selbstverständliche Nutzung

  • Beherrschung und Einsatz aller zusätzlichen Funktionen des IWB
  • Kreative Arbeit mit dem Medium
  • Lehrkräfte sind von ihren Kompetenzen im Umgang mit dem IWB überzeugt

Stufe 4: Geläufigkeit

  • Entwicklung kreativen Potenzials in der Unterrichtsgestaltung
  • Zunehmende Integration von Hypertexten im Unterricht
  • Recherche im Internet nach neuen Ideen

Stufe 5: Fliegen

  • Breites Repertoire an Werkzeugen und interaktiven Techniken zur Schülereinbindung
  • Individuelle, schnelle Anpassung an das Unterrichtsgeschehen
  • Improvisation bei auftretenden Problemen

Lehrerfortbildungen

Um diese Leichtigkeit im Umgang mit den Whiteboards zu erreichen, braucht es Fortbildungsangebote für die Lehrkräfte. Thomas Irion spricht hierzu ein Grundproblem an: die Vielfalt der Einsatzmöglichkeiten im Unterricht. [5] Unterschiedliche Fächer, Schularten und Klassenstufen erfordern unterschiedliche didaktische Zugänge und unterschiedliche Software. Insofern hat die Gestaltung von Fortbildungen stets mit einem Dilemma zu kämpfen: Sind die Angebote spezifisch auf eine bestimmte Fach- und Stufendidaktik ausgerichtet, finden sich nur wenige Teilnehmer – insbesondere weil die Boards noch keine flächendeckende Verbreitung aufweisen. Allgemeiner gehaltene Fortbildungen fördern zwar die technische Bedienkompetenz, lassen jedoch wenig Raum für spezifisch fachdidaktische Aspekte des Boardeinsatzes.

 

Die von den Herstellern der Boards angebotenen Schulungen sind zwar hilfreich für den Einstieg in den Einsatz der Technik, sollten jedoch nicht die einzige Maßnahme zur Weiterbildung des Kollegiums sein. Weitere Angebote gibt es bei den Medienzentren und auch von Schulbuchverlagen. Rektor Helgo Mayrberger regt in seinem Artikel in Computer & Unterricht 78 an, sogenannte „IWB-Teams“ an den Schulen zu bilden. Diese können eine Vorreiterrolle im Einsatz der Boards übernehmen und verschiedene Schulungsangebote wahrnehmen. Schulintern treten diese Lehrerinnen und Lehrer dann als Multiplikatoren für das Kollegium auf.

Schulnahe Fortbildungen

Thomas Irion plädiert für schulnahe Fortbildungen für das gesamte Kollegium, bei denen technische und didaktische Schulungen mit Maßnahmen zur Schul- und Unterrichtsentwicklung gekoppelt werden. [6] Unter dem Titel PROFI (Professionalisierung von Lehrkräften durch schulbezogene Fortbildungen im Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur) wird ein solches Konzept an der PH Weingarten erarbeitet. Ziel ist hierbei, dass die Kollegien gemeinsam an der Entwicklung innovativer Unterrichtskonzepte arbeiten und dabei die IWBs in die Planung integrieren. Das Konzept knüpft an Studien an, die aufzeigen, dass eine längerfristige Begleitung zu Fortbildungsangeboten notwendig ist, was bei überregionalen Schulungen kaum möglich ist. Solche Angebote befinden sich jedoch noch in der Entwicklung und sind nur vereinzelt verfügbar.

Angebote im Web 2.0 noch ausbaufähig

Zur Weiterentwicklung von Kompetenzen, die in Schulungen unterschiedlicher Art erworben wurden, bieten sich zudem Web-2.0-Angebote an. Hier ergibt sich die Möglichkeit, sich mit Kollegen zu vernetzen, die an ähnlichen Unterrichtskonzepten arbeiten und sich über technische, mediendidaktische und fachdidaktische Fragestellungen auszutauschen. Meist werden diese Foren von Herstellern der Boards betrieben und sind dann auf eine bestimmte Boardtechnik ausgerichtet, manche dieser Foren sind jedoch nur in englischer Sprache verfügbar. Eine allgemein etablierte Tauschplattform für Unterrichtsmaterialien gibt es allerdings für den deutschsprachigen Raum noch nicht, auch die meisten Foren führen ein Schattendasein – hier gibt es noch deutliches Entwicklungspotenzial.

Vor dem Start: Basisfunktionen einüben

Wie meist bei technischen Neuerungen ergibt sich auch beim Einsatz von IWBs zunächst ein erhöhter Arbeitsaufwand durch die Einarbeitung in die Technik. Die Vorteile kommen erst nach der unumgänglichen Einarbeitungsphase voll zum Tragen. Es empfiehlt sich, vor dem Einsatz im Unterricht die Arbeit mit dem Board im Klassenraum ohne die Schülerinnen und Schüler zu üben. Im Praxishandbuch von Ulrich Gutenberg, Thomas Iser und Christian Machate werden folgende Basisfunktionen genannt, die vor dem Einsatz im Unterricht erkundet werden sollten:

 

  • Starten des Computers und Beamers
  • Prüfen der Verkabelung im Falle einer Störung
  • Kalibrieren des Whiteboards
  • Steuern des Rechners am Whiteboard
  • Schreiben am Whiteboard
  • Die richtige Andruckstärke finden
  • Die richtige Haltung zum Whiteboard für sich finden (Schlagschatten!) [7]

 

Weitere Grundfunktionen, die zur Gestaltung von Tafelbildern notwendig sind, können auch ohne Board am PC eingeübt werden. Statt mit Stift oder Finger wird dann mit der Maus geschrieben, gezeichnet und geklickt. So lassen sich erste Versuche unternehmen und die Funktionen wie das Öffnen und Speichern von Dateien, das Erstellen von Textobjekten und Formen, das Verschieben, Kopieren und Einfügen von Objekten, Bildern, Videos etc. sowie die „Rückgängig“-Funktion, welche beim Einsatz im Unterricht häufig benötigt wird. Viel mehr braucht nicht unbedingt trainiert werden, auch im erwähnten Praxishandbuch wird hervorgehoben, dass sich die Boards für einen „niederschwelligen Einstieg“ eignen. [8]

Erste Schritte: Tafelbildgestaltung mit dem IWB

Zum Einstieg in die Arbeit empfiehlt es sich, das Board zunächst als reinen Tafelersatz zu nutzen. Indem man am Board genau das umsetzt, was man bislang an der herkömmlichen Tafel gemacht hat, kann man sich mit der Hard- und Software vertraut machen. [9]

 

Mit der zugehörigen Boardsoftware lassen sich problemlos klassische Tafelbilder erstellen. Die dazu notwendigen Werkzeuge sind überschaubar: Textwerkzeug, Formen, Lineal, Hintergründe (Linien, Karo etc.). So lässt sich der Umgang mit den grundlegenden Funktionen sowie die Haptik der Hardware trainieren, ohne dass sich die Unterrichtskonzeption fundamental verändert. Denn oft wird gewarnt, dass es durch unangebrachten Einsatz der Boards zu einer Art medialem Overkill kommt und die Didaktik auf der Strecke bleibt. Macht man sich Stück um Stück mit der Technik vertraut, so bleibt genügend Raum, die zusätzlichen Funktionen Schritt für Schritt einzuführen – aber eben nur dort wo sie didaktisch angebracht sind. Vorteile gegenüber der herkömmlichen Tafel zeigen sich schon in diesem einfachen Einsatzmodus. Tafelbilder lassen sich speichern und es steht mehr Platz zur Verfügung, da mehrere Seiten erzeugt werden können. Falls im Unterrichtsverlauf Bedarf besteht, kann etwa von der dritten Tafelseite wieder auf die erste zurückgesprungen werden – bei einer Kreidetafel wäre dieses Bild schon dem Schwamm zum Opfer gefallen. Ein weiterer Vorteil für Lernende und Lehrende ist die Möglichkeit, die an der Tafel angebrachten Objekte wie Text, Bilder oder Formen zu verschieben: Man kann an der bequemsten, der Körpergröße entsprechenden Position auf dem Board anschreiben und den Text anschließend an die richtige Stelle schieben.

Schülerinnen und Schüler einbeziehen

Übrigens: Auch die Schülerinnen und Schüler sollten von Anfang an in die Arbeit am Board mit einbezogen werden. Zwar haben sie, wie natürlich auch die Lehrkraft, zunächst Schwierigkeiten mit der eigenen Haptik des Schreibens am Board, was auch zu Verzögerungen im Unterricht führen kann [10], doch darf dies kein Argument dafür sein, sie aus der Boardarbeit auszuschließen. Denn sonst besteht durchaus die Gefahr, dass durch den Boardeinsatz die Anteile des Frontalunterrichts übermäßig zunehmen. Zudem erwerben die Lernenden durch die Arbeit am Board den Umgang mit der Technik und können darauf aufbauend ihre Präsentationskompetenz erweitern. Dabei sollte jedoch in normalen, fachlich ausgerichteten Stunden eine Beschränkung auf die Grundfunktionen erfolgen, um den Unterricht nicht in Experimentierorgien ausarten zu lassen. Einzelstunden zur Einführung der Boardarbeit einzulegen ist natürlich durchaus angebracht.

 

Gestalterisch gelten die gleichen Grundsätze wie für eine klassische Tafel oder auch eine Powerpoint-Präsentation: Leserliche, serifenlose Schrift (z.B. Arial), nicht zu kleine Schriftgröße und zu kleine Zeilenabstände, übersichtliche Darstellung, ausreichende Kontraste. Gegenüber der herkömmlichen Tafel ergibt sich hier auch der Vorteil der Übersichtlichkeit, insbesondere bei Lehrkräften mit tendenziell unleserlicher Schrift.

Tafelbilder zu Hause vorbereiten

Als nächsten Schritt bietet es sich an, erste Tafelbilder außerhalb des Unterrichts vorzubereiten und per USB-Stick oder Upload auf das Schulnetzwerk ins Klassenzimmer zu bringen. Dazu muss die entsprechende Boardsoftware auf dem Heim-PC installiert sein – in der Regel ist dies lizenzrechtlich kein Problem, die Software ist meist an das Board gebunden und darf auf jedem Rechner installiert werden, der mit dem Gerät benutzt wird. Das Vorfertigen von komplexen Tafelbildern muss somit nicht in der Pause zwischen den Stunden bewerkstelligt werden.

 

Die Integration von Bildern und Grafiken, bislang mit Tafelmagneten bewerkstelligt, ist mit dem IWB ganz einfach per copy & paste möglich. Auch Stauraum für Material kann so eingespart werden. Mit dem Board belastet die Materialsammlung nur noch die Festplatte.

Dynamische Tafelbilder

Bei Erarbeitungsphasen bieten sich elegante Möglichkeiten, Tafelbilder gemeinsam und materialreich zu entwickeln. Beim Erstellen von Mindmaps lassen sich die einzelnen Stichwörter gruppieren, ohne sie neu anzuschreiben. Durch Bild und Grafik illustrierte Handlungsabläufe können durch die Lerngruppe in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Wo nötig, können per Handschrift ergänzende Kommentare eingefügt werden.

 

In diesem Zusammenhang wird in jüngerer Zeit von dynamischen Tafelbildern gesprochen. [11] So kommen noch einige Werkzeuge der Boardsoftware hinzu, die sich für die Erarbeitung von Inhalten an der Tafel anbieten. Einzelne Bereiche, etwa eines Kunstwerks oder einer Landkarte, können auf unterschiedliche Weise hervorgehoben werden. Mit dem Spotlight-Tool etwa wird nur ein Ausschnitt gezeigt, der Rest des Boards ist geschwärzt. Der Bildschirmvorhang lässt sich von allen Rändern über das Board ziehen und wieder wegschieben. Mit dem Aufnahmewerkzeug lassen sich Ausschnitte herausnehmen und vergrößert darstellen. Einfach und handlich ist die Arbeit mit weißen Flächen, die man zum Abdecken von zunächst versteckten Anschrieben einsetzen kann. Alle Objekte auf dem Tafelbild lassen sich an den Rand schieben und verschwinden somit optisch. Per drag & drop können sie jedoch problemlos wieder ins Bild geholt werden. Ein virtueller Textmarker steht ebenfalls zur Verfügung.

 

Auch Filme können in die Boardsoftware integriert werden und mit dem Aufnahmewerkzeug lassen sich Standbilder generieren, etwa für die Filmanalyse. Insbesondere bei kurzen Filmsequenzen ist die Integration in das Tafelbild angebracht, denn so lassen sich unterschiedlich aufbereitete Informationen darstellen, ohne dass es zu lästigen Medienbrüchen kommt. Dagegen empfiehlt es sich, wo es auf hohe Bildqualität ankommt, statt der Boardsoftware auf gängige Videoplayer zurückzugreifen. [12] Bei zuvor generierten Tafelbildern kann dies ohne größere Verzögerungen geschehen, indem man in der Boardsoftware einen Link zum entsprechenden File setzt. Im Unterricht muss man nur noch den Link anklicken und die Datei öffnet sich im entsprechenden Programm.

Das interaktive Whiteboard als Präsentationstool

Auch für Präsentationen lassen sich IWBs einsetzen. Dies kann mit klassischen Präsentationsprogrammen wie LibreOffice Impress bzw. Microsoft PowerPoint oder mit der entsprechenden Boardsoftware geschehen. Schon bei der Verwendung von Präsentationsprogrammen ergeben sich einige Vorteile gegenüber einem System aus Laptop und Beamer. So kann die Präsentation von der Tafel aus gesteuert werden, die vortragende Person muss für den Folienübergang nicht zum PC laufen. Zudem können bei gleichzeitigem Einsatz der Boardsoftware handschriftliche Anmerkungen angebracht werden. So kann während der Präsentation besser auf Rückmeldungen aus dem Publikum eingegangen werden. Noch einfacher ist dies zu realisieren, wenn die Präsentationen direkt in der Boardsoftware erstellt werden. Die Gestaltungsmöglichkeiten sind hierbei weitgehend die gleichen, doch kann die Präsentation viel einfacher während des Vortrags editiert werden. So kann der Interaktion mit der Klasse mehr Raum gegeben werden. Es bietet sich an, Textfelder zunächst leer zu lassen und erst während der Präsentation und damit einhergehenden Unterrichtsgesprächen auszufüllen.

 

Ist der Einsatz des Boards zum Alltag im Unterricht geworden, können auch Schülerpräsentationen damit durchgeführt werden. Anfangs ist hier sicher noch technische und gestalterische Unterstützung durch die Lehrkraft erforderlich, doch nach und nach wird sich die Arbeit mit der Software zur Normalität entwickeln, wodurch die Methodenkompetenz der Schülerinnen und Schüler ausgebaut werden kann.

SMART Dokumentenkamera; Bild: © SMART Technologies

Präsentieren mit der Dokumentenkamera

Als zusätzliche Hardware werden von verschiedenen Herstellern so genannte Dokumentenkameras oder Visualizer angeboten. Mit diesen Geräten lassen sich Papiervorlagen auf das Board projizieren. So können beispielsweise Schülerhefte ohne großen Aufwand am Board präsentiert und im Plenum besprochen werden. Auch sonst ermöglicht eine solche Kamera, Dokumente, die erst im Unterrichtsverlauf auftauchen, am Board zu zeigen, ohne sie vorher einzuscannen.

Bild: Jiří Hönes / LMZ; Lizenz: CC BY

Mögliche Probleme beim Whiteboard-Einsatz

Neben den Vorzügen und neuen Möglichkeiten, die durch den Einsatz von IWBs im Unterricht entstehen, wird auch immer wieder auf Probleme hingewiesen, die sich durch die Boards ergeben können.

 

Meist wird erwähnt, dass der Boardeinsatz zu übermäßig lehrerzentriertem Unterricht führen kann. Dies ist insbesondere dann zu befürchten, wenn die Lehrkraft mangels Vertrautheit mit der Technik überfordert ist, und das Board somit die Aufmerksamkeit im Unterricht bindet. Solche Probleme sind am Anfang der Arbeit mit dem Board sicher hinzunehmen, denn alles braucht seine Eingewöhnungsphase. Doch darf dies nicht zum Alltag werden. Ebenso wird vor Überbetonung der Nutzung als Präsentationsmittel gewarnt: „Auch droht durch eine so interessante Tafel leicht ein stark lehrerzentrierter Unterricht zu entstehen, in dem die Schüler nur staunend den multimedialen Präsentationen der Lehrperson folgen, und kaum aktiv einbezogen werden“. [13] Ein zu schnelles Abspielen von Präsentationen kann ebenso problematische Folgen haben, was jedoch auch für herkömmliche Beamer-Laptop-Systeme gilt.

 

Zudem wird gelegentlich erwähnt, dass die Möglichkeit, die Anschriebe im Anschluss an die Stunde herunterzuladen, die Lernenden vom Mitdenken und Mitschreiben abhält. Hier ist tatsächlich Vorsicht geboten und zu überdenken, ob es sinnvoll ist, die Materialien im Anschluss zur Verfügung zu stellen. Unbedingt muss den Lernenden klar gemacht werden, dass aktive Mitarbeit nicht durch bloßes Anhäufen von Handouts zu ersetzen ist – was jedoch auch ohne IWB gilt und zum Grundprinzip des Unterrichts an sich gehört.

Perspektiven: Notebookklasse mit Whiteboard

Weitere Möglichkeiten ergeben sich in der Kombination von Schülernotebooks und einem IWB als Lernumgebung. So genannte Notebookklassen existieren mittlerweile an etlichen Schulen in Deutschland, befinden sich jedoch nach wie vor in der Startphase. Bei diesem Modell verfügen jede Schülerin und jeder Schüler über ein Netbook. Manche Hersteller bieten speziell auf den Unterricht ausgerichtete Netbooks an, so etwa der Classmate PC von Intel. Er bietet neben Tasten- und Mauseingabe auch eine Stifteingabefunktion und ermöglicht so handschriftliches Arbeiten direkt auf dem Bildschirm. In Portugal wurden beispielsweise bereits zahlreiche Grundschulen damit ausgestattet.

 

Die Schülernotebooks sind über W-LAN vernetzt, über Lernplattformen wie Moodle kann im und außerhalb des Unterrichts gemeinsam gearbeitet werden. Das Board kann in diesem Unterrichtsszenario als Präsentationsfläche für Schülerarbeiten dienen. Softwarelösungen ermöglichen das Anzeigen jedes Notebook-Bildschirms auf dem Lehrerrechner und damit auf dem Whiteboard. So kann die gesamte Klasse die Arbeit eines Schülers oder einer Schülerin einsehen, besprechen und Verbesserungsvorschläge einbringen. Diese können dann direkt am Notebook für alle auf dem Board sichtbar eingearbeitet werden.

Quellen

[1] Irion, Thomas: Interaktive Whiteboards: Was sollten Lehrkräfte wissen und könnnen? Ansätze für Lehrerfortbildungen zu Förderung technischer und didaktischer Kompetenzen. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 16. [zurück]

[2] Irion, Thomas: Interaktive Whiteboards: Was sollten Lehrkräfte wissen und könnnen? Ansätze für Lehrerfortbildungen zu Förderung technischer und didaktischer Kompetenzen. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 17. [zurück]

[3] Irion, Thomas: Interaktive Whiteboards: Was sollten Lehrkräfte wissen und könnnen? Ansätze für Lehrerfortbildungen zu Förderung technischer und didaktischer Kompetenzen. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 16. [zurück]

[4] Aufenanger, Stefan und Bauer, Petra: Interaktive Whiteboards. Neue Chancen für Lehrer, Schüler und Schule. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 8. [zurück]

[5] Irion, Thomas: Interaktive Whiteboards: Was sollten Lehrkräfte wissen und könnnen? Ansätze für Lehrerfortbildungen zu Förderung technischer und didaktischer Kompetenzen. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 17. [zurück]

[6] Irion, Thomas: Interaktive Whiteboards: Was sollten Lehrkräfte wissen und könnnen? Ansätze für Lehrerfortbildungen zu Förderung technischer und didaktischer Kompetenzen. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 18. [zurück]

[7] Gutenberg, Ulrich; Iser, Thomas und Machate, Christian: Interaktive Whiteboards im Unterricht. Das Praxishandbuch. Mit Beiträgen von Alexander Tschakert. Braunschweig 2010, S. 37. [zurück]

[8] Gutenberg, Ulrich; Iser, Thomas und Machate, Christian: Interaktive Whiteboards im Unterricht. Das Praxishandbuch. Mit Beiträgen von Alexander Tschakert. Braunschweig 2010, S. 38. [zurück]

[9] Gutenberg, Ulrich; Iser, Thomas und Machate, Christian: Interaktive Whiteboards im Unterricht. Das Praxishandbuch. Mit Beiträgen von Alexander Tschakert. Braunschweig 2010, S. 36 und Schließzeit, Jürgen: Unterrichtstipps: Erster Einsatz am interaktiven Whiteboard. myBoard.de. 2009. [zurück]

[10] Cordes, Cornelius: Erste Schritte in der Arbeit mit dem Whiteboard. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 23. [zurück]

[11] Gutenberg, Ulrich; Iser, Thomas und Machate, Christian: Interaktive Whiteboards im Unterricht. Das Praxishandbuch. Mit Beiträgen von Alexander Tschakert. Braunschweig 2010, S. 11. [zurück]

[12] Gutenberg, Ulrich; Iser, Thomas und Machate, Christian: Interaktive Whiteboards im Unterricht. Das Praxishandbuch. Mit Beiträgen von Alexander Tschakert. Braunschweig 2010, S. 25. [zurück]

[13] Aufenanger, Stefan und Bauer, Petra: Interaktive Whiteboards. Neue Chancen für Lehrer, Schüler und Schule. In: Computer und Unterricht 78/2010, S. 7. [zurück]