Grundbegriffe der Mediendidaktik

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Was versteht man unter Didaktik?

Der Begriff Didaktik lässt sich etymologisch vom griechischen téchne didaktiké, Kunst des Lehrens, ableiten und steht heutzutage in einer allgemein gefassten Definition für „die erziehungswissenschaftliche Teildisziplin vom institutionalisierten Lehren und Lernen“ [1], konkreter formuliert für die „Wissenschaft vom Unterricht“ [2] in allen seinen Variationsmöglichkeiten. Gegenstand der Allgemeinen Didaktik ist folglich der Unterricht per se; ihr Ziel ist die Entwicklung von Analyse- und Planungskonzepten, die fächerübergreifend von den Lehrenden in ihrem beruflichen Alltag eingesetzt werden können. Werner Jank und Hilbert Meyer bringen die Aufgabe der Allgemeinen Didaktik auf den Punkt: „Die Didaktik kümmert sich um die Frage, wer was von wem wann mit wem wo wie womit und wozu lernen soll.“ [3]

 

Dieser Aussage zufolge ist die Methodik eine Teildisziplin der Didaktik. Im schulischen Kontext trifft man hingegen des Öfteren auf die folgende Unterscheidung von Didaktik und Methodik: Die Didaktik kümmere sich um das Was (Inhalte) und Wozu (Kompetenzen bzw. Ziele), die Methodik um das Wie (Vorgehensweise). Diese Trennung folgt dem Ansatz Wolfgang Klafkis, der die Didaktik als theoretische Wissenschaft von der Methodik trennt – die sich mit der praktischen Umsetzung des geplanten Lehr- bzw. Lernvorgangs befasst – und sie durch sein Primat der Didaktik eindeutig der Methodik voranstellt [4]: Die von den Schülerinnen und Schülern zu erlangenden Kompetenzen und Inhalte müssen geklärt sein, bevor methodische Überlegungen angestellt werden sollen.

Was versteht man unter Mediendidaktik?

Die Mediendidaktik lässt sich historisch auf den Humanisten Johann Amos Comenius (1592-1670) zurückführen. In seiner Didaktika magna, also der Großen Unterrichtslehre, fordert er mit dem bekannten Leitspruch „omnes omnia omnino“ dazu auf, alle alles allumfassend zu lehren. Um die Gegenstände und Sachverhalte der Welt für die Schülerinnen und Schüler sinnlich erfahrbar zu machen, schuf er hierfür seinen Orbis sensualium pictus, das bedeutet Die sichtbare Welt, das erste gewissermaßen moderne Lehrbuch, in dem Bilder mit Erläuterungen zur Erklärung der Welt im Unterricht eingesetzt werden. [5]

 

Der stetig wachsende Einfluss der Medien auf Beruf- und Privatleben erfordert eine Fortentwicklung des Begriffes Mediendidaktik. Der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 8. März 2012 versteht schulische Medienbildung als duales System: das Lernen mit Medien und das Lernen über Medien. Mediendidaktik umfasst hierbei im Allgemeinen das Lernen mit Medien; definitorisch ist Mediendidaktik – wie der Begriff bereits verdeutlicht – ein Teilgebiet der Didaktik und hat die „Funktionen und Wirkungen von Medien in Lehr- und Lernprozessen“ [6] zum Gegenstand. Im Zentrum steht hierbei die Frage, auf welche Art und Weise die Medien in den Unterricht integriert und im Unterrichtskontext eingesetzt werden können, um mit ihrer Hilfe pädagogisch-didaktisch anvisierte Kompetenzen zu erreichen. [7] Diesem Verständnis zufolge ist der Medieneinsatz der pädagogisch-didaktischen Intention nachgeordnet, und Ziel der Mediendidaktik ist folglich ein pädagogisch sinnvoller Mediengebrauch. Diesen Gedanken spiegelt auch die klassische Einteilung der Medienpädagogik in Mediendidaktik und Medienerziehung wider, die Edmund Kösel und Reinhard Brunner in den 1970er Jahren vornehmen: Mediendidaktik befasst sich mit der Erziehung durch Medien, Medienerziehung führt zum Umgang mit Medien hin. [8]

 

Das Landesmedienzentrum Baden-Württemberg gebraucht als Oberbegriff für die Bereiche Lernen mit und Lernen über Medien, d. h. für das Gebiet der Mediendidaktik und Medienerziehung, den Begriff Medienbildung. Mit dieser Begriffswahl schließt sich das LMZ dem Kompetenzorientierten Konzept für die schulische Medienbildung der Länderkonferenz MedienBildung an und begünstigt aufgrund einer geregelten Begriffsdefinition einen Austausch und eine Vernetzung auch auf Länderebene.

Was versteht man unter Neuen bzw. digitalen Medien?

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Der Begriff Neue Medien nimmt in der Regel Bezug auf neue Technologien. Doch was sind „neue“ Technologien? Was für den einen eine „alte“ Technologie und somit ein „altes“ Medium ist, ist für den anderen möglicherweise eine neue bzw. ein neues. Die Literatur umgeht daher oftmals die Antwort, indem sie die heutzutage Neuen bzw. „alten“ Medien schlicht auflistet.

 

Im Folgenden wird zwischen digitalen und analogen Medien unterschieden; gewisse Überlappungen sind bei dieser Differenzierung unumgänglich. Digitale Medien resultieren demnach aus der Digitalisierung, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einsetzte. Digitalisierung bezeichnet „den Prozess der Umwandlung von analogen (stetigen) Informationen in eine digitale (schrittweise, numerische) Form“ [9]. Digitale Medien sind elektronische Medien; alle Geräte, die zur Aufzeichnung, Berechnung, Verarbeitung und Verteilung von digitalen Inhalten gebraucht werden, fallen unter den Bereich der digitalen Medien. Der Begriff digitale Medien hat den Vorteil, dass er bereits das Wesen heutiger moderner Medien beschreibt, und wird daher im Folgenden verwendet.

Wozu Mediendidaktik?

„Medien nie als Selbstzweck einer Unterrichtsstunde!“ – Mit diesem Grundsatz wurde in den letzten Jahren vermutlich jede Lehrkraft im Zuge ihrer Ausbildung oder im Rahmen einer Fortbildung zu Medien, insbesondere zu digitalen Medien, konfrontiert. Die Schülerinnen und Schüler sollen im Unterricht nicht um der Medien willen mit Medien in Berührung kommen, sondern eine Entscheidung für den Mediengebrauch sollte immer zugleich eine primär didaktische sein – so das Postulat der Ausbilder bzw. (vermeintlich) Medienkundigen in Bezug auf das Lernen mit Medien. Worin besteht somit der Mehrwert bei der Nutzung von (digitalen) Medien im Unterricht? Kann der obigen Maxime zugestimmt werden, oder in welcher Hinsicht muss sie modifiziert werden?

 

Der Einsatz von Medien darf in der Tat nie Selbstzweck sein – weder analog noch digital. Allerdings haben Medien in der heutigen Welt und vor allem im Leben der Kinder und Jugendlichen einen Stellenwert erlangt, der eine Beschäftigung mit Medien – und vor allem mit den Wirkungsweisen der Medien – auch für Schule und Unterricht unverzichtbar macht. Die (all)tägliche Präsenz der digitalen Medien im Leben von Kindern und Jugendlichen ist auch für die Didaktik eine große Herausforderung, mit der sich insbesondere die Mediendidaktik intensiv auseinandersetzt, denn die besten didaktischen Modelle bleiben wirkungslos, wenn sie die Schülerinnen und Schüler nicht mehr zu erreichen vermögen. Die moderne Didaktik hat sich also in dieser Frage grundlegend fortentwickelt und insbesondere erkannt, dass Schule und Unterricht immer auch die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen aufgreifen müssen – und diese wird in immer stärkerer Weise medial geprägt sein; das stellt für Schule und Lehrkräfte einerseits eine Herausforderung, andererseits aber auch eine große Chance dar.

 

Im Folgenden wird daher die Frage „Wozu Mediendidaktik?“ unter zwei Aspekten betrachtet:

 

  • Wie setze ich Medien wann und wo sinnvoll ein?
  • Wie vermittle ich meinen Schülerinnen und Schülern die Wirkungsweise von Medien wann am besten?

Mit diesen Fragen sollte sich jede Lehrperson vor dem Einsatz von (digitalen) Medien bewusst auseinandergesetzt haben bzw. im Sinne eines Reflexionsprozesses kontinuierlich auseinandersetzen.

Quellen

[1] Bovet, Gislinde/Huwendiek, Volker (Hrsg.): Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrberuf. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Berlin 2008, S. 35. [zurück]

[2] Schulz, Wolfgang: Unterrichtsplanung. München 1980. [zurück]

[3] Jank, Werner/Meyer, Hilbert (Hrsg.): Didaktische Modelle. 5. Auflage. Frankfurt am Main 2002, S. 16. [zurück]

[4] Klafki, Wolfgang: Didaktische Analyse als Kern der Unterrichtsvorbereitung. In: Die Deutsche Schule. 50/1958, S. 450–471. [zurück]

[5] Stangl, Werner: Anfänge der Pädagogik – Bedeutende Personen. [werner.stangl]s arbeitsblätter. [02.10.2013] [zurück]

[6] Grundsatzerlass Medienerziehung (2001). Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Österreich. [11.06.2014] [zurück]

[7] Hagemann, Wilhelm: Von den Lehrmitteln zu den Neuen Medien – 40 Jahre schulbezogener Medienentwicklung und Mediendiskussion. In: Herzig, Bardo (Hrsg.): Medien machen Schule. Grundlagen, Konzepte und Erfahrungen zur Medienbildung. Bad Heilbrunn 2001, S. 31). [zurück]

[8] Hüther, Jürgen: Mediendidaktik. In: Hüther, Jürgen/Schorb, Bernd (Hrsg.): Grundbegriffe Medienpädagogik. 4., vollständig neu konzipierte Auflage. München 2005, S. 235. [zurück]

[9] Schanze, Helmut: Digitalisierung. In: Schanze, Helmut (Hrsg.): Metzler Lexikon. Medientheorie, Medienwissenschaft. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Stuttgart/Weimar 2002, S. 64f. [zurück]

Literatur

Arnold, Klaus / Neuberger, Christoph (Hrsg.): Alte Medien – neue Medien. Theorieperspektiven, Medienprofile, Einsatzfelder. Festschrift für Jan Tonnemacher. Wiesbaden 2005.

 

Kompetenzorientierten Konzept für die schulische Medienbildung (2008)

Dieses 2008 durch die Länderkonferenz MedienBildung veröffentlichte Papier versteht sich als länderübergreifende Positionsbestimmung im Sinne einer Reflexions- und Orientierungshilfe für die Beschreibung und Umsetzung fachspezifischer und fächerübergreifender Kompetenzerwartungen in Bezug auf die schulische Medienbildung in ihrer gesamten Breite des Lernens mit und über Medien.

 

Länderkonferenz MedienBildung

Die LKM ist ein freiwilliger Zusammenschluss der Leiterinnen und Leiter der Landesmedienzentren und der entsprechenden Medienabteilungen in den pädagogischen Landesinstituten. Die Mitglieder treffen sich jährlich im Herbst zu einer Länderkonferenz Medien und Bildung.