Physik – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Physik in der Sekundarstufe I vorsieht.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den NWA-Unterricht der Realschule bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird festgehalten, dass „der Einsatz des PCs als Werkzeug zum Wissenserwerb, zum Dokumentieren und zum Präsentieren [...] beim Naturwissenschaftlichen Arbeiten eine Selbstverständlichkeit“ (Bildungsplan 2004, RS, NWA, S. 96) sein soll.

Im Bildungsplan 2012 sind für das Fach Materie – Natur – Technik der Hauptschule bzw. Werkrealschule ebenfalls bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird ähnlich wie im Bildungsplan 2004 der Realschule „die Informationsbeschaffung mittels verschiedener Medien und Messmethoden sowie die Darstellung der Ergebnisse mithilfe des Computers und die Verwendung geeigneter Simulationsprogramme“ genannt. „Sie sind integrativer Bestandteil der informationstechnischen Grundbildung und können zur eigenständigen Erschließung und zur Vernetzung unterschiedlicher Perspektiven beitragen. Ferner setzen die Schülerinnen und Schüler den Computer als Arbeits- und Planungsmittel ein“ (BP 2012, HWRS, MNT, S. 123).
Unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Physikunterricht medienbildnerische Aspekte nicht explizit thematisiert.

Das Fach Physik hat in den Bildungsplänen 2004 und 2012 in der Realschule bzw. Hauptschule/Werkrealschule keine explizite spiralcurriculare Grundlage für die Leitperspektive Medienbildung geschaffen. Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, müssen folglich noch stärker als bisher in den Physikunterricht der Sekundarstufe I integriert werden. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Physikunterricht nachzuholen.

Nach oben

Medienkompetenz und Medienbildung im Physikunterricht ab 2016

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ im Bildungsplan 2016 bezieht sich die Medienbildung für die Sekundarstufe I auf „das naturwissenschaftliche Experiment, die zugehörige Datenerfassung und ‑auswertung mithilfe des Computers, des Smartphones oder vergleichbarer Geräte“ (BP 2016, Sek I, Physik, S. 4). Weitere Aufgaben des Physikunterrichts sind die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, „sich Informationen zu beschaffen, deren Quellen zu prüfen und deren Darstellungen kritisch zu interpretieren“ (ebd.). Auch die fachliche Erarbeitung von Inhalten und das Präsentieren mit passenden Medien wird im Fach Physik genannt.

 

In den didaktischen Hinweisen ist die Medienbildung folgendermaßen verankert:
„Der Einsatz von Computern, Smartphones oder vergleichbaren Geräten sowie dem Internet ist im Physikunterricht eine Selbstverständlichkeit – beim Wissenserwerb, beim Erfassen und Auswerten von Messdaten, beim Dokumentieren und Präsentieren sowie beim Einsatz von Simulationssoftware als Ergänzung von Realexperimenten“ (S. 7).

Nach oben

Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Hinsichtlich der prozessbezogenen Kompetenzen (Kommunikation) können die Schülerinnen „physikalische Experimente, Ergebnisse und Erkenntnisse – auch mithilfe digitaler Medien – dokumentieren (zum Beispiel Skizzen, Beschreibungen, Tabellen, Diagramme und Formeln)“ und „in unterschiedlichen Quellen recherchieren, Erkenntnisse sinnvoll strukturieren, sachbezogen und adressatengerecht aufbereiten sowie unter Nutzung geeigneter Medien präsentieren“ (S. 9).
Im Bereich „Bewertung können die Schülerinnen und Schüler „Informationen aus verschiedenen Quellen auf Relevanz prüfen“ und „Darstellungen in den Medien anhand ihrer physikalischen Erkenntnisse kritisch betrachten (zum Beispiel Filme, Zeitungsartikel, pseudowissenschaftliche Aussagen)“ (S. 10).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

In den inhaltsbezogenen Kompetenzen des Physikunterrichts der Sekundarstufe I wird die Leitperspektive Medienbildung nicht explizit genannt.

Klassen 7/8/9

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Trotz keines expliziten Aufgriffs der Leitperspektive Medienbildung im Bildungsplan 2016 zu Physik wäre der Einsatz von medienbildnerischen Arbeitsweisen an verschiedenen Stellen denkbar. Das Beschreiben und Erläutern von Modellen in der Physik anhand von Beispielen (vgl. S. 13) kann beispielsweise mithilfe eines digitalen Modells stattfinden. Es wäre auch denkbar, ein analoges sowie digitales Modell gegenüberzustellen und die Schüler/-innen Vor- und Nachteile beider Varianten erarbeiten zu lassen. Zur Arbeit mit optischen Phänomenen im Weltall können digitale Medien zur Unterstützung herangezogen werden (vgl. S. 14). Denkbar wäre beispielsweise ein virtueller Ausflug ins Weltall mit Hilfe von VR-Brillen. Im Bereich der Kinematik sollen Bewegungsdiagramme erstellt und interpretiert werden (vgl. S. 21). Dies könnte unter Zuhilfenahme von digitalen Medien und entsprechender Software stattfinden.

Klasse 10

In Klasse 10 ist eine Kooperation mit dem Fach Geographie denkbar, wenn es um die Beschreibung des Treibhauseffektes und dessen Auswirkungen auf die Klimaentwicklung geht (vgl. S. 28). Auch hier können digitale Medien beispielsweise zu Recherchezwecken herangezogen werden. Bei der Analyse des Aufbaus eines Atoms (S. 29) können digitale Modelle herangezogen werden, um Gegebenheiten sowie Vorgänge auf Molekularebene visuell verständlich und ansprechend zu vermitteln.

Nach oben